Archiv für den Monat: Oktober 2014

Tauchen macht Spaß

Nach den stürmischen Winden der letzten Tage hatte sich der Atlantik mittlerweile wieder beruhigt. Jeden Tag war deutlich zu sehen, wie das salzige Nass zunehmend klarer wurde und den wie gewohnt ungetrübten Blick bis auf den Grund des Hafenbeckens ermöglichte. Immerhin hatten wir unter unserem Boot eine Wassertiefe von 9 Meter. Beste Voraussetzungen also sich wieder dem Thema „Scuba Diving“ mit Ester und Marco von „AZUL DIVING“ zuzuwenden. In Hinblick auf meinen permanent gewachsenen Waschbärenbauch sicherlich eine gute Entscheidung 🙂 Katja ist ja vor 2 Tagen nach Leverkusen geflogen, um eine Reihe von anstehenden Terminen abzuarbeiten und genau diesen Umstand wollte ich nutzen, um in einer verschärften Gangart den Pfunden zu Leibe zu rücken. Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, hatte ich vor einigen Tage schon einen Kurs für den nächst höheren Tauchschein zum sogenannten „Advanced Open Water Diver“ gebucht. Mittlerweile haben Katja und ich schon ein paar Tauchgänge absolviert. Mit jedem  weiteren Exkurs konnten wir die Aussage von Marco „ the best dive is the next dive“ immer mehr zustimmen. Mit zunehmender Erfahrung in der bisher ungewohnten Umgebung unter der Wasseroberfläche steigerte sich auch unser Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl.

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Ein Teil des Kurses beinhaltet einen Tauchgang in einer Tiefe von 30m. Bisher lag das für uns  erlaubte Limit bei 18m, was ja auch schon ganz ordentlich ist. Heute war es also soweit! Für dieses Ereignis hatten sich Ester und Marco sich einen besonderen Ort ausgesucht, den man allerdings nur mit dem Boot erreichen konnte. Pünktlich um 09:30 begann das Briefing für den Tauchgang, der mit Ester als mein „personal“ Guide geplant war. Ester und Marco legten wie immer großen Wert darauf, zum einen das Revier und den geplanten Ablauf detailliert zu erklären und zum anderen die dafür nötigen Sicherheitsvorkehrungen und theoretischen Grundlagen zu vermitteln. Wichtig war zum Beispiel zu wissen, dass der Luftverbrauch sich bei doppelter Tauchtiefe ebenfalls verdoppelte und auch deutlich mehr Stickstoff im Blut angereichert wird, der beim Auftauchen bei einem sogenannten Sicherheitsstopp von 3 Minuten in 5 Metern wieder größtenteils abgebaut wird. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo die Themen Tauchplanung, Nullzeit, Sicherheitsstopp, Luftverbrauch, Stickstoffnarkose und Strömung mit noch mehr Ernsthaftigkeit zur Anwendung kamen. Eben genau diese Professionalität vermittelte uns das gute Gefühl und nötige Vertrauen, bei den Beiden in sehr guten Händen zu sein. Nach 45 Minuten waren wir mit dem Briefing durch und es war an der Zeit, sich in den Tauchanzug zu zwängen. Mein Gott bin ich froh, dass das Ding so elastisch ist 🙂 Schnell noch Maske, Haube, Flossen, Taschenlampe und Tauchcomputer unter die Arme genommen und dann ging es auch schon los. Wie immer war alles schon perfekt vorbereitet und die schwere Ausrüstung war bereits einsatzbereit an Bord.

Die 250 PS des Yamaha Außenborders hatten leichtes Spiel mit dem Boot und wir kamen relativ zügig 🙂 am Zielort an. Unser Zielort befand sich an dem östlichsten Punkt von Madeira.  Direkt vor uns ragten die Felsen steil aus dem Meer. Hier konnte man noch sehr deutlich den heftigen Seegang der letzten Tage spüren. Die Wellen brachen sich an den Untiefen und etwas weiter draußen war die Strömung teilweise sehr stark. Allein die Vorstellung, mit unserer SUMMER hier durchfahren zu müssen, verursachte einen leichten Grusel in meinem Kopf.

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Ester machte eine kleine Testrunde und signalisierte uns, dass es Zeit war Ihr ins Wasser zu folgen.  Mit von der Partie war auch noch Jürgen aus Berlin. Jürgen hatte seine Unterwasserkamera dabei und tauchte bereits seit einigen Jahren in allen Teilen dieser Erde. Ein kurzer Check der Systeme und bei „Drei“ ging es dann per Rolle rückwärts ins Meer, das immerhin 22°C warm war. Langsam tauchten wir dann ab. Umgehend stellte sich wie sonst auch dieses herrliche Wohlgefühl ein. Nur noch das Blubbern des Atemreglers durchbrach die Stille. Nach relativ kurzer Zeit zeigte mein Tauchcomputer 31,8m an. Die Farben der vielen Fische, Korallen und Steine bekommen eine blaue Tönung, weil mit zunehmender Tiefe das kurzwellige rote Licht absorbiert wird.  Eines war aber anders als sonst. Wegen der starken Dünung ging es wie in einem Fahrstuhl auf und ab und hin und her. Es kostete mich einige Energie dort hin zu schwimmen, wo ich auch hin wollte. Ester und Jürgen waren darin aber sehr routiniert. Ständig musste ich aufpassen, dass ich genügend Abstand zu den Beiden hielt. Nach einiger Zeit ging es dann aber doch ganz gut. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich das Thema mit dem Austarieren ganz gut im Griff hatte, denn Probleme die Tiefe zu halten, hatte ich eher nicht.

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Nach gut 40 Minuten zeigte die Flasche einen Druck von 50 Bar an und wir begannen planmäßig mit dem Aufstieg. Oben wartete Marco bereits auf uns und nahm uns die Gewichte und Tarierwesten ab. Mit einigen kräftigen Flossenschlägen und vereinten Kräften gelang der Einstieg ins Boot problemlos. Auf der Rückfahrt waren wir uns dann alle einig, dass das Revier wunderschön war und unser Team gut funktioniert hat.

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Am Nachmittag stand der Tauchgang Nummer zwei  auf dem Programm. Wir erreichten wieder eine Tiefe von 30m und kamen in den Genuss eines weiteren tollen Reviers vor der Haustür Madeiras. Ich hätte nie gedacht, dass Tauchen so anstrengend sein würde. Ich fühlte mich so schlapp wie schon lange nicht mehr. Um mich ins Boot zurück zu bekommen, musste Marco kräftig mithelfen. Auf der Rücktour war mir auch noch speiübel, weil ich einiges Salzwasser nach dem Auftauchen getrunken habe. Selber schuld, wenn man den Atemregler zu früh aus dem Mund nimmt und nicht genug Luft in die Tarierweste pumpt. Wieder was gelernt 🙂

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Zusammengefasst, war dieser Tag extrem lehrreich und gut für mein Selbstvertrauen. Vielen Dank an Ester und Marco von www.azuldiving.com, die wirklich einen klasse Job gemacht haben. Das macht Lust auf Me(e)hr.

Wie schon gesagt:   „the best dive is the next dive“ 🙂

Endlich mal Abwechslung – wir machen einen Bootsausflug :-)

Da heute Nachmittag mein Flieger zurück in Richtung Deutschland abheben würde, war ein weiterer Tauchgang  heute Vormittag leider nicht möglich. Wenn ich also schon nicht unter Wasser nach Fischen Ausschau halten konnte, dann wollten  wir das eben über Wasser tun. So saßen wir pünktlich um halb elf bereit, um mit der Kamera auf Walfang zu gehen. Endlich mal Abwechslung, mit einem Boot sind wir ja schon ewig nicht mehr unterwegs gewesen 🙂

Rund um Madeira gibt es verhältnismäßig viele Wale. Leider hatten wir keine gesehen, als wir mit unserer SUMMER unterwegs waren. Letzte Woche waren knapp 500 Meter vor unserem Hafen drei Seiwale gesichtet worden. Die Tiere können bis zu 18 Meter lang werden und wiegen zwischen 20 und 30 Tonnen. Leider hatten wir diese besondere Gelegenheit verstreichen lassen und keinen Bootsausflug unternommen da wir nicht wussten, dass die Whale-Watching-Boote direkt von unserem Hafen aus starten. Jetzt wollten wir aber doch mal einen Versuch wagen. Mal sehen, ob wir Glück haben würden.

Normalerweise bekommt der Bootsführer Informationen von einem sogenannten „Spotter“,  der sich an Land auf einem Berg befindet und die See mit einem leistungsstarken Fernglas absucht. Heute war leider die Sicht eher mäßig und somit waren wir auf uns selbst gestellt. Schon nach kurzer Zeit wurden wir fündig. In einiger Entfernung entdeckten wir ein weiteres Wal-Beobachtungsboot, dass eine große Gruppe Pilot-Wale beobachtete. Diese ließen sich auch von unserem Kommen nicht aus der Ruhe bringen.XKH_8696

So hatten wir die Gelegenheit, gut eine Viertel Stunde lang die Tiere direkt am Boot zu beobachten. Die Pilotwale werden auch „Grindwal“ genannt. Sie können bis zu acht Meter lang werden und wiegen bis zu drei Tonnen. In unserer Gruppe war das größte Tier gut fünf Meter lang und sehr beeindruckend imposant. Außerdem gab es auch ein Kalb, dass immer dicht bei seiner Mutter blieb.

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Nach diesem ersten Erfolg gingen wir weiter auf die Suche nach anderen Tieren. Leider wollten sich die Delfine, die wohl recht häufig in diesem Gebiet unterwegs waren, heute nicht zeigen. Für uns war das nicht so schlimm, denn Delfine hatten wir schon recht häufig gesehen. Für die anderen Urlauber, die mit uns unterwegs waren, tat es uns aber leid.
Aber schon allein die schnelle Fahrt in dem gut motorisierenden Boot war ein Vergnügen, ein bisschen wie Achterbahn fahren. Etwas weiter entfernt vom Land hatte der Ostwind schon wieder leichte Wellen aufgebaut, die mit zunehmendem Bootsspeed wie Sprungrampen wirkten 🙂

Auf dem Rückweg trafen wir unsere Grindwalfamilie nach einmal. Es sind einfach wunderschöne und beeindruckende Tiere. Bei genauerer Beobachtung waren wir uns sicher, dass es nicht die ersten Grindwale waren, die wir gesehen hatten. Auf unserem Weg nach Lissabon hatten wir uns noch über die trägen Delfine gewundert, die im Sonnenaufgang doch sehr langsam und gemächlich an unserem Boot vorbei gekommen waren. Für Delfine wäre es sicher langsam gewesen, aber Grindwale sind wohl immer viel gemütlicher unterwegs 🙂

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Zurück im Hafen hieß es dann erstmal Abschied nehmen. Die Koffer waren gepackt und ich machte mich auf den Weg ins kalte Deutschland. Wir hatten in der letzten Woche ordentlich ausgemistet. Mein Gepäck bestand aus einer riesigen Tasche gefüllt mit warmen Kleidungsstücken, die eindeutig überflüssig an Bord waren, und einem von unseren zwei Klapprädern. Nach langem Hin-und-Her haben wir uns entscheiden, die Fahrräder doch nicht weiter mitzunehmen, da sie unter Deck doch sehr viel Platz wegnehmen. Außerdem war mein Rucksack bis zum Platzen mit weiteren Dingen gefüllt, die an Bord nicht benötigt waren. So bepackt wie ein Lastesel, brachte mich Dietmar zum Flughafen. Mich erwarten in Deutschland zehn ereignis- und arbeitsreiche Tage.

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Mein zweiter 39. Geburtstag :-)

Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!
Coco Chanel

Mein zweiter 39. Geburtstag, weit weg von Deutschland, begann eigentlich wie jeder andere Tag auch. Irgendwann kitzelte uns die Sonne wach und es wurde Zeit für ein gemütliches Frühstück. Nicht der schlechteste Start in einen Tag 🙂 Dietmar düste los, um für unser Frühstück frische, warme Brötchen zu holen und überraschte mich mit einem Stück Geburtstagskuchen. Trotz des wunderbaren Morgens wirkte er aber irgendwie angespannt. Des Rätsels Lösung war mein Geburtstagsgeschenk, das nicht wie geplant auf dem Frühstückstisch lag, sondern noch irgendwo mit der portugiesische Post unterwegs war. Da musste ich mich wohl noch etwas gedulden….aber davon lässt man sich ja nicht die Laune verderben.

So freute ich mich über die vielen Anrufe, Email und Nachrichten, die mich an diesem Tag erreichten. Trotz der großen Entfernung sind wir wohl noch nicht in Vergessenheit geraten. Das für den heutigen Tag bestellte, schöne Wetter wurde nach einigen kurzen Schauern dann gegen elf Uhr geliefert. Somit stand unserem Nachmittagstauchgang nichts mehr im Wege. Mal sehen, was wir heute da draußen zu sehen bekommen würden.

Pünktlich um zwei Uhr trafen wir an der Tauchschule ein und waren schon kurze Zeit später zu acht unterwegs zu unserem Tauchspot. Diesmal mussten wir die schwierige Aufgabe gewältigen, uns auf dem engen Boot komplett mit Tarierweste, Flossen und Flasche anzuziehen. Eine sportliche Leistung, bei der es im 7mm-Neoprenanzug ganz schnell sehr warm wurde 🙂 So freuten wir uns, als wir endlich in James-Bond-Manier per Rolle rückwärts über die Bordwand ins Wasser kippten. Das Wasser war wirklich wunderbar erfrischend.

Wie in dem ausführlichen Briefing in der Tauchschule besprochen, teilten wir uns jetzt in zwei Gruppen auf. Wir waren heute mit Marco unterwegs. Unser Tauchgang sollte bis auf maximal 18 Meter Tiefe gehen, denn tiefer durften wir mit unserem Tauchschein ja noch nicht. Normalerweise ist das Abtauchen mein größtes Problem, aber heute sank ich wie ein Stein nach unten. Gut, das wir gestern nicht an der Steilwand getaucht sind. Da geht es bis auf 40 Meter Tiefe ziemlich steil nach unten. Wer weiß, wohin ich da verschwunden wäre 🙂

Unter Wasser waren die Bedingungen gut. Hier draußen lernten wir das erste Mal Unterwasserströmungen kennen, die sich aber problemlos meistern ließen. Außerdem trafen wir wieder viele interessante Kreaturen. Schade, dass wir keine geeignete Unterwasserkamera hatten, um das alles mal festzuhalten. Unsere wasserdichte Pentax war nur für Wassertiefen bis 12 Meter zugelassen. Das war ein bisschen zu wenig.

Als wir am Ende des Tauchgangs wieder an der Oberfläche auftauchten, wartete das Boot schon auf uns. Im Wasser noch befreiten wir uns von der schweren Ausrüstung und reichten diese nach oben. Danach mussten wir nur noch selber hinterher. Ich bevorzugte die Badeleiter (ich bin doch eher ein fauler Mensch), während Dietmar sich mit drei kräftigen Flossenschlägen die Bootswand hinaufarbeitete. Nach kurzer, schneller Fahrt erreichten wir den Hafen und saßen nach dem Umziehen noch länger zusammen, um die beobachteten Fische zu bestimmen.

Um halb sieben hatten wir uns mit der Crew der  SY INFINITY und der SY HAPA NA SASA zum Abendessen im Hafenrestaurant verabredet. Vorher wollten wir noch kurz mit Urte von der SY HAPA NA SASA mit dem Mietwagen zum Einkaufen fahren. Die Familie war ja erst gestern angekommen und musste Ihren Kühlschrank wieder auffüllen. Außerdem war ich um das leibliche Wohl meines Ehemannes besorgt: Nicht dass Dietmar in der nächsten Woche verhungern musste, wenn ich in Deutschland weilte.

Der Weg zum Supermarkt war nur ein Katzensprung, aber wollte erstmal gefunden werden. So hatten wir nur 30 Minuten Einkaufszeit, um im Hafen nicht nach unseren Gästen im Restaurant zu erscheinen. Blitzschnell füllten wir unsere Einkaufswagen und schon bald war alles im Auto verstaut. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus gestaltete sich dann aber unerwartet schwierig. Nirgends war ein Automat zur Bezahlung des Parkchips zu sehen und niemand den man fragen konnte weit und breit. Urte nahm das Problem in die Hand und erschien schon kurze Zeit später mit dem bezahlten Chip. Den Automat hatte der Betreiber im Erdgeschoss gut versteckt 🙂 Auf dem Heimweg gerieten wir statt auf die Autobahn noch auf eine idyllische Landstraße, die uns nochmal einen malerischen Umweg bescherte. Immerhin konnte Urte so schon einen ersten Eindruck von der Schönheit Madeiras gewinnen. Trotzdem waren wir kurz vor unseren Gästen am Hafen. Da Segler ja ein sehr entspanntes Völkchen sind, durften wir sogar noch schnell die Einkäufe im Schiff verräumen.  Dietmar fiel auch ein Stein vom Herzen, als er bei der Rückkehr auf unsere SUMMER endlich das langersehnte Paket vorfand. So bekam ich (zwar nach dem Geburtstagstauchgang) eine tolle Tauchkamera, wasserdicht bis 58 Meter mit HighTech-Gehäuse. Jetzt werden zu den ganzen Fotos, die ich an Land mache nochmal mindestens genau so viele Unterwasserbilder dazu kommen. Ich freue mich schon auf die ersten Fische, die mir vor die Linse schwimmen werden.

Dann begann endlich der entspannte Teil des Abends. Leider ohne die Crew der JOY OF LIFE, die ja gestern in Richtung Kanaren abgefahren ist, saßen wir an diesem lauen Abend noch lange draußen und feierten meinen runden Geburtstag ausgiebig.

Ich danke allen, die an mich gedacht haben und in irgendeiner Form dazu beigetragen haben, dass der Tag so schön geworden ist, wie er war. Ich freue mich schon sehr auf meinen nächsten 39. Geburtstag 🙂

 

 

Unterwegs mit dem Tauchboot

Nach der langen wetterbedingten Tauchpause waren wir glücklich, als Marco am Dienstag endlich meinte, heute Nachmittag könnten wir unseren ersten Tauchausflug von einem Boot aus wagen. Am Haus-Riff war der Wasser noch viel zu aufgewühlt und trübe, aber weiter nördlich sollten die Bedingungen deutlich besser sein.

Überpünktlich standen wir also um zwei Uhr vor der Tauchschule. Heute würden wir auch nicht alleine unterwegs sein. Eine deutsche Familie hatte auch einen Tauchgang vom Boot gebucht. Wie immer war alles perfekt vorbereitet. Wir brauchten uns nur in unsere Anzüge zu zwängen und unser persönlichen Dinge zusammenpacken, schon konnte es losgehen. Die Flaschen warteten schon fertig vorbereitet im Boot auf uns.

Schon allein die Fahrt mit dem Speedboot war ein Riesenspaß. Segeln ist doch eher ein entspanntes und langsames Vergnügen. Das Renner aber hatte deutlich mehr PS als unsere SUMMER, genauer gesagt 250 Pferdestärken. Da war Dietmar natürlich in seinem Element. Dank moderner Technik nehmen wir Euch gern mal ein Stückchen miten . Zum Öffnen der Videos einfach auf die Links klicken.

Wir fahren raus……


Am Tauchplatz angekommen, gingen Marco und Ester zuerst die Bedingungen unter Wasser zu testen. Von oben sah es wegen der hoher Wellen und der starken Strömung nicht besonders einladend aus. Hoffentlich war es unter Wasser besser. Als die beiden zurück zum Boot paddelten, war ihnen schon an den Gesichtern abzulesen, dass sie keine guten Nachrichten hatten. Die Welle war einfach noch zu hoch und die Sicht ebenfalls sehr schlecht. Damit war unser Plan A gescheitert. Gut, dass die beiden noch einen Plan B parat hatten. So düsten wir weiter entlang der Küste in Richtung Norden. Aber auch an der zweiten möglichen Stelle waren die Bedingungen leider wenig einladend. Mittlerweile hatte sich die Sonne auch wieder komplett hinter den Wolken verborgen und die Welle brach sich zum Teil doch heftig an den kleinen, scharfkantigen Felsen.

Schon über Wasser war es ungemütlich….

Für erfahrene Taucher wäre bestimmt ein Tauchgang möglich gewesen, aber mit unseren acht Tauchgängen waren wir von dem Level „erfahren“ doch noch sehr weit entfernt 🙂 Mir persönlich war es auch lieber so. Ich wollte doch von meinem ersten Bootstauchgang auf jeden Fall positive Erinnerungen behalten.

So machten wir uns unverrichteter Dinge wieder auf den Rückweg. Für den einsetzenden Regen waren wir auf jeden Fall optimal ausgerüstet. So wurde unsere Ausrüstung auf dem Rückweg nochmal gut mit Süßwasser gespült.

Optimal ausgerüstet für Regen

Morgen ist ja auch noch ein Tag. Und zwar ein ganz besonderer 🙂 Da hatte ich schon vor 40 Jahren gutes Wetter bestellt. Mal sehen, ob es auch geliefert werden würde

Sturm im Hafen – oder eine Materialprüfung der anderen Art

Wie es sich für einen ordentlichen Sonntag gehört, haben wir den ganzen Tag über das angenehme Klima genossen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Alles war gut um uns herum und ging seinen gewohnt entspannten Gang. Wie jeden Morgen haben wir uns routinemäßig über das in den kommenden Tagen zu erwartende Wetter bei WETTERWELT informiert auch wenn unser geplanter Abfahrtstermin noch weit entfernt war. Mit Interesse beobachteten wir schon seit Tagen 2 Tiefdruckgebiete nord-westlich von uns, die schon heftige Hochwasser und Verwüstungen an der portugiesischen Küste verursacht hatten. Eines davon hatte bis zu 60 Knoten (Orkanstärke) im Zentrum und zog nord-östlich in Richtung England. Nur Madeira wurde wie eine Perle in Ihrer Austernschale verschont.

Tiefdruckgebiet

Am Nachmittag kam die freundliche Dame von der Marina-Verwaltung zu unserem Boot mit zwei Marineros im Gefolge. Kurz und knapp wurden wir informiert, dass für heute Nacht stürmisches Wetter erwartet wird und wir unsere Leinen und Festmacher  besser überprüfen sollten. Ein kurzer Blick auf unser solides Tauwerk und ein weiterer Blick auf die aktuellen Wetterdaten ließ in mir das Gefühl wachsen, dass wir für alle Eventualitäten gewappnet waren. Was sollte uns den schon passieren? Damit war das Thema dann auch schon wieder vom Tisch. Warum müssen die Leute denn auch immer so übertreiben?

 

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So langsam wurde es dunkel und der Wind nahm etwas zu, was aber ganz normal war, weil die steilen Felsen an der Küste nicht mehr aufgeheizt wurden und sich auch die Thermik dadurch veränderte. Meine liebe Frau Katja hatte sich mit Jana von der JOY OF LIFE zu einem „Frauen-Videoabend“ verabredet und ich freute mich somit auf einen ruhigen netten Abend allein an Bord. Mittlerweile trinke ich ja schon einmal gern eine Flasche Bier und mit einem Western-Movie meiner Wahl hatte ich es mir unter Deck so richtig gemütlich gemacht. In dem Film wurde geschossen und geballert was das Zeug hielt und eigentlich hätte mich nichts aus der Ruhe bringen können. Nur das immer stärker werdende, harte Rucken der Festmacherleinen vornehmlich am Vorschiff störten die Idylle. Irgendwann wurde es mir dann doch zu bunt und ich raffte mich auf, um wenigstens mal zu gucken, was denn da draußen los war.

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Ein Blick aus dem Fenster verriet dann auch schon alles. Nahe der Hafeneinfahrt sah ich gegen den schwach erleuchteten Horizont eine 54 Fuß (ca. 18m) Segelyacht, die wild stampfende Bewegungen an der Ankerkette vollführte. Jetzt kam aber ganz schnell Dynamik ins Spiel! Die Revolverhelden hatten endgültig Pause und es folgte ein beherzter Sprung an Deck. Ein kräftige Böe (Windstoß)  blies mir fast die letzten Haare vom Schädel….. Das hatte ich aber so nicht erwartet. Um die Lage besser einschätzen zu können, rannte ich unter Deck und schaltete die Decksbeleuchtung ein.

Auf dem Vorschiff angekommen, sah ich dann Dinge, die einem schon Angst machen können. Die Festmacher ruckten mittlerweile so dermaßen hart in die Klampen und Beschläge ein, dass die wirklich außerordentlich massive ausgeführten Klampen und Beschläge diese gewaltigen Energien nur noch auffangen konnten, indem sie anfingen zu arbeiten und sich zu bewegen. Der Wind kam genau von vorne und somit konnte ich die Festmacher ja nicht einfach fieren (lösen/nachgeben). Die gesamte Leiste über dem Deck, begann sich links und rechts immer mehr zu verformen und genau dieser Anblick verursachte in mir Gruselgefühle. War ich doch bisher der Meinung, dass genau dieser Teil unserer SUMMER unverwüstlich robust sein würde. Offensichtlich war jetzt der Punkt erreicht, an dem das Material an seine Grenzen kommen würde. Keine Ahnung, wem die Schläge im Gebälk mehr wehgetan haben, unserer SUMMER oder mir.

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Ganz nebenbei registrierte ich, dass auch die anderen Skipper an den Leinen Ihrer Schiffe arbeiteten. Die Marineros kümmerten sich um die Boote, deren Eigner nicht anwesend waren.  Das große Problem war ja nicht der Wind, der mittlerweile konstant mit 25-29 Knoten blies, sondern die auflaufende Flut und die immer höher steigenden Wellen, die genau in den Hafen liefen. Die Steganlage stieg immer heftiger auf und ab und die Boote auch. Nur mit dem Unterschied, dass die Bewegungen keineswegs synchron waren. Da Winddruck auf die Boote die Festmacher sowieso schon auf Spannung hielt, war das Auf und Ab doppelt kritisch. Mit Grausen dachten wir alle daran, dass wir noch weitere 4 Stunden auflaufendes Wasser hatten. Entspannung war also nicht in Sicht. Mittlerweile mischte sich auch Starkregen in das Geschehen ein. War aber auch egal, da die Klamotten vom Spritzwasser sowieso schon durchweicht waren.

Nach einiger Zeit hatte ich dann auch begriffen, dass es uns ganz besonders heftig erwischt hat, weil wir genau in dem schmalen Bereich lagen, in dem die Welle praktisch ungehindert einlaufen konnte. Die Boote links und rechts von uns tanzten daher eher Walzer und nicht wie wir Rock`n Roll. Aufmunternde Blicke von den Nachbarn halfen mir persönlich etwas über den Berg. Ich glaube, jeder von den Burschen wusste, wie es sich anfühlt, wenn man so wie ich gerade mit dem Leinen kämpft und versucht, die erträglichste Variante zu finden, sein Boot vor den Schlägen zu schützen.

Auf die Lösung des Problems kam unser Freund Lars von der JOY OF LIFE. Er holte zwei sehr massive lange Festmacherleinen aus der Backskiste seines Katamarans, die wir von den Mittelklampen der SUMMER als Spring nach vorn an dem Steg befestigten. So nahmen wir den Winddruck von den Vorleinen. Somit konnten wir die Festmacher deutlich verlängern und die SUMMER tanzte „aufgehängt“ an der mittleren Querachse frei auf und ab. Zusätzlich wurden dann noch weitere Ruckdämpfer ausgelegt und gegen Mitternacht war das Schlimmste dann ausgestanden. Gegen 2:00 legte ich mich dann neben meine Katja schlafen. Sie hatte von all dem nichts mitbekommen. Der Katamaran lag außerhalb des Schwellbereiches und somit ziemlich ruhig im Wasser.

Die Nacht verlief unruhig, aber das Reißen an den Beschlägen hatte ein Ende.

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Erlebnisse wie diese gehören eben auch mit dazu. Wir haben wieder einmal viel dazu gelernt und ich bin mir sicher, dass genau diese Erfahrungen nötig sind, um ein guter Skipper zu werden. Ebenso habe ich gemerkt, wie gern ich doch unser Schiff habe. Einmal mehr bin ich froh, dass wir ein so stabiles Schiff haben und wir nicht bei der Qualität unserer Ausrüstung gespart haben. Das nächste Mal kommt bestimmt und dann werden wir wohl viel gelassener sein weil wir wissen, was zu tun ist, wenn es heftig wird.

Nach zwei Tagen war dann zu erkennen, dass einige Pontons heftig beschädigt waren. Herausgerissene Befestigungen, gebrochene Anker und versetzte Schwimmkörper besonders im Einfahrtsbereich der Marin ließen erahnen, mit welcher Kraft das Meer hier gewütet hat. Von mehreren Schiffen hörte man, dass deren Festmacherleinen bei der Dauerbelastung gebrochen sind.

FAZIT: Der Atlantik ist kein Ponyhof 🙂

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Go West

Für den heutigen Ausflug wollten wir über die Passstraßen in den Westen Madeiras fahren. Über die Autobahn ging es nach Funchal und dann rechts ab durch ein steiles Tal hinein in die Berge.

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Etwas mühsam quälte sich unser kleiner Nissan Juke die zum Teil sehr steilen Straßen hinauf. Aber im Vergleich mit dem Mietauto, mit dem wir auf dem Festland unterwegs waren, ging es immer noch recht sportlich voran. Bald hatten wir die Abzweigung zur Passstraße erreicht und standen kurze Zeit später vor einer Straßensperre 🙁 So ein Ärger. Da die Auswahl an Straßen auf Madeira doch recht gering ist, schlugen wir wieder die bereits erfolgreich getestete Route entlang der Nordküste ein.

In Sao Vicente entschieden wir uns spontan, den vulkanischen Grotten einen Besuch abzustatten. Als wir den Besucherparkplatz erreichten, waren wir sehr erleichtert. Keine Reisebusse erwartete uns, obwohl in Funchal gerade wieder vier neue Kreuzfahrtschiffe angekommen waren 🙂 So lernten wir in den nächsten eineinhalb Stunden eine Menge über die Entstehung der Inseln in dem kleinen Museum, welches sich direkt neben dem Eingang zu den Grotten befand. Der halbstündige Gang durch die Gotten selbst war schön, aber nicht besonders spektakulär 🙂

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Vorbei an Porto Moniz fuhren wir jetzt auf einer kleinen Straße die Westküste entlang. Eher zufällig entdeckten wir einen wirklich unglaublichen Aussichtspunkt. Vor uns fiel die Küste fast 600 Meter ab!  Von hier oben aus sahen  die Häuser und Gärten im Tal wie Miniaturspielzeuge aus. Mit einer kleinen Seilbahn (made in Germany :-)) konnte man in einem Winkel von  170° hinunter bis ans Meer fahren. Schon allein bei dem Anblick drehte sich mir der Magen um. Keine zehn Pferde würde mich in diese winzige Gondel bringen 🙂 So tranken wir lieber einen entspannten Kaffee direkt am Abgrund und überließen das Gondelfahren den anderen.

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Der Westen von Madeira ist verkehrstechnisch noch nicht gut mit dem Rest der Insel verbunden. Oben auf den Bergrücken fanden wir in den Dörfern viele leerstehende Häuser, die sich wohl dringend einen geschickten und motivierten  Handwerker wünschen würden. Zum Teil sah es hier doch etwas trostlos aus. Dieser Eindruck wurde durch die aufziehenden Wolken leider zusätzlich noch verstärkt.

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Wir erreichten den Hafen noch vor dem Regen. Laut Wettervorhersage würde es wohl auch die nächsten Tage ungemütlich werden. Mal sehen, was wirklich passieren wird. Wettervorhersagen sind ja bekanntlich ähnlich zuverlässig wie „Kaffeesatz lesen“ 🙂

 

Es wird immer besser

Nach einem tauchfreien Tag freuten wir uns schon wieder auf unseren für den Nachmittag geplanten Unterwasserausflug. Die Bedingungen waren optimal.  Die Dünung war zwar noch etwas höher als die letzten Male, aber das Wasser war wunderbar klar und mit 23° Wassertemperatur angenehm warm.

Das erste Highlight bot sich uns schon direkt nach dem Abtauchen. Ein Barrakuda stand direkt vor dem Anleger und ließ sich auch durch unser Erscheinen nicht weiter stören. So sahen wir neben den üblichen „Bekannten“ noch zwei sehr seltenen Bärenkrebse. Einer davon war gute 40 Zentimeter lang und somit laut dem Bestimmungsbuch absolut ausgewachsen. Auch für unseren Tauchlehrer war das eine besondere Begegnung, da die Tiere sehr scheu sind. Kein Wunder, denn sie standen ja viele Jahre lang ganz oben in den Speisekarten der Restaurants. Am Ende unseres Tauchgangs kreuzte auch noch ein Schwarm Hornhechte unseren Weg. Gut für Sie, dass Dietmar ohne Angel unterwegs war. Denn der Hornhecht ist ja bekanntlich auch ein sehr leckerer Speisefisch und hat grüne Gräten.

Mein persönliches Highlight bei diesem Tauchgang war aber, dass ich meine Tauchmaske während der ganzen Zeit fast frei von Beschlag halten konnte. Es ist einfach viel schöner, wenn man da unter auch richtig rausgucken kann, anstatt immer im mehr oder weniger dichten Nebel umher zu tappen.XKH_7812

Nach dem Tauchgang saßen wir noch länger zusammen und schmiedeten Pläne für die nächsten Tage. Für den morgigen Samstag, sollen laut Vorhersage die Wetterbedingungen zum Tauchen nicht gut sein, aber am Sonntag wollten wir das erste Mal mit dem Boot rausfahren. Draußen im großen Naturschutzgebiet gibt es noch viele tolle Plätze zu entdecken. Sogar ein Wrack soll hier vor der Küste liegen. Das wäre bestimmt ein tolles Ziel genau wie ein möglicher Nachttauchgang. Der Fantasie werden diesbezüglich keine Grenzen gesetzt J So träumten wir schon vom nächsten Tauchschein, mit dem wir dann bis zu 30 Meter tief tauchen dürften und fieberten dem Sonntagnachmittag entgegen. Aber es sollte anders kommen …..

 

Über Wasser ist es auch sehr schön

Schon am Mittwochnachmittag haben wir mit dem Auto eine erste kleine Erkundungstour gemacht. Zuerst ging es weiter in den Osten Madeiras. Aber schon nach knapp einem Kilometer hört hier die Zivilisation auf. Die Straße endete auf einem großen Parkplatz. Weitere Erkundungen waren nur zu Fuß möglich. Aber nach dem morgendlichen Tauchgang fehlte uns hierfür die nötige Motivation und ebenso auch das richtige Schuhwerk. Die Wege waren definitiv nicht für „Flip-Flops“ geeignet. So genossen wir noch ein bisschen die Aussicht, bevor wir uns in Richtung der Inselhauptstadt Funchal aufmachten.

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Der Weg nach Funchal war auch ohne Navi problemlos zu finden. Denn zusätzlich ein Navi zum Auto zu mieten, hätte den Mietpreis fast verdoppelt 🙂 Ähnlich ist es auch mit einem Kindersitz. Die Preisgestaltung der Autovermieter ist diesbezüglich doch etwas grenzwertig.

Schon knapp 30 Minuten später waren wir da. Jetzt mussten wir nur noch das Auto loswerden. Das war dann wiederum nicht mehr so einfach J Aber irgendwann hatten wir ein vertrauenserweckendes Parkhaus gefunden. Wir wollten ja sicher sein, das Auto später dort auch noch vorzufinden. Wie so oft machten wir uns zuerst auf den Weg zum Hafen. Vielleicht wollten wir unsere SUMMER später doch nach Funchal verlegen? Aber schon nach einem kurzen Rundgang war uns klar, wir bleiben in Quinta do Lorde. An diesem Tag lagen drei Kreuzfahrer vor dem Cuiser-Terminal und es war dem entsprechend voll. Das Personal der unzähligen Restaurants am Yachthafen versuchte mehr oder weniger aufdringlich uns als neue Gäste zu gewinnen. Außerdem war die gesamte Uferpromenade eine riesige Baustelle. Der kleine Yachthafen wird derzeit zu einer großen Marina umgebaut Für uns fühlte sich das alles bezüglich eines möglichen Liegeplatzes deutlich zu unruhig an.

Nach einer wegen der einsetzenden Dämmerung recht kleinen Altstadtrunde und einem eher mäßigen Abendessen, ging es schon wieder zurück zum Hafen. Für den morgigen Tag wollten wir das Inselerkundungs-Programm  aber deutlich ausdehnen.

Wir starteten recht früh und hatten für den heutigen Tag die Nordküste zur Erkundung ausgewählt. Irgendwo musste man ja anfangen. Außerdem hofften wir auf eindrucksvolle Wellen, die von dem nördlich durchziehenden Tiefdruckgebiet verursacht worden waren. Die kleine Straße schlängelte sich sehr malerisch und zum Teil auch atemberaubend dicht an der steilen Küste entlang. In den kleinen Dörfern sahen wir auch die für Madeira typischen, strohgedeckten Häuser.

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Während unserer ersten Kaffeepause entdeckte ich auch den ersten wildwachsenden Weihnachtsstern. Ich hatte es doch gewusst, mit großen Schritten ging es auf Weihnachten zu. Gut, dass wir schon einen Stollen gebunkert haben 🙂

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So trödelten wir die Küstenstraße entlang mit vielen Pausen zum Erkunden und Entdecken bis wir am späten Nachmittag „Port Moniz“ erreichten. Am nordöstlichen Zipfel der Insel rollten große Atlantikwellen heran, die sich spektakulär an der felsigen Küste brachen. Vom Land aus genossen wir das Schauspiel und freuten uns, dass wir unsere SUMMER sicher im Hafen vertäut wussten.

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Der Rückweg führte uns quer über die Insel durch ein wunderbar grünes Tal, das tief zwischen den vulkanischen Bergen einschnitt. Überall an den Berghängen sah man Terrassen, auf denen Wein, Bananen oder andere Dinge angebaut wurden. Bestimmt eine mühsame Arbeit, denn für große, technische Hilfsmittel war definitiv kein Platz.

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Als wir den Hafen erreichten, war es schon dunkel geworden. Nach dem Essen saßen wir noch ein Stündchen auf der JOY OF LIFE und ließen diesen tollen Tag bei einem Glas Weißwein ausklingen.

 

Erste „Gehversuche“ unter Wasser

Von Porto Santo nach Quinta do Lorde auf Madeira ist es nur ein Katzensprung von gut 30 Seemeilen. Da konnten wir uns am Sonntag etwas mehr Zeit lassen und uns erst gegen zehn Uhr auf den Weg machen. Vorher versuchten wir über den Hafenmeister schon Plätze zu reservieren, denn ein paar dicke Tiefdruckgebiete sollen in der kommenden Woche nördlich durchziehen. Bei diesen Aussichten wollten wir nicht so gern vor Anker liegen.

Nachdem alles Organisatorische geregelt war, ging es auch schon los. Angenehmer Wind bis 20 Knoten und knapp zwei Meter Welle machten die Überfahrt sehr angenehm. Ich misstraute meinem Magen aber immer noch. Man weiß ja nie! So gab es vorsichtshalber unterwegs erstmal nichts zu essen 🙂 Das schadet ja nicht.

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Kurz bevor wir die ersten Felsen von Madeira erreichten, wurden wir wieder von Delphinen begrüßt. Diesmal war es eine Schule von über zwanzig Tieren. Einen Wal haben wir aber nicht entdecken können, obwohl es hier welche geben soll. Aber wir werden die nächsten Tage die Augen offen halten. Vielleicht haben wir ja noch Glück.

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Der Hafen von Quinta do Lorde gehört zu einem Hotelkomplex und wird von einem beeindruckenden Felsen überragt. Wir haben uns dort direkt wohlgefühlt. Während ich mich um das Essen kümmerte, erledigte Dietmar die Formalitäten im Hafenbüro. Als er zurück auf unsere SUMMER kam, hatte er eine Überraschung im Gepäck.

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Für den nächsten Tag hatte er mit der örtlichen Tauchschule einen Termin vereinbart. Jetzt wurde es ernst. Im März hatten wir noch in Bayern unsere PADI Open Water-Prüfung gemacht. Beim letzten Mal, als wir tauchen waren, hatten wir knappe 10°C Wassertemperatur und Schneeregen. Das sah hier natürlich deutlich besser aus 🙂

So begannen wir am nächsten Tag schon nach dem Frühstück damit, unsere Tauchausrüstung vorzubereiten. Nach fast sechs Monaten waren sie fast etwas eingestaubt. Flaschen und Blei konnten wir von der Tauchschule benutzen, damit wir das schwere Zeug nicht durch den ganzen Hafen schleppen mussten. Die bange Frage, ob man nach so einer langen und faulen Zeit noch in seinen Neoprenanzug passt, konnten wir nach einigem Ziehen und Zerren mit JA beantworten. Eine völlig neue Erfahrung war aber, dass so ein Neoprenanzug sehr warm sein kann. Bisher hatte ich in meinen Tauchsachen nur gefroren. Heute war das mal anders.

In der Tauchschule bekamen wir zuerst ein ausführliches Briefing von unserem Tauchlehrer Marco. Wir würden heute am Hausriff tauchen, direkt vor der Marina. Gründlich besprach er mit uns die Route, die wir nehmen und die Tiefen, die uns erwarten würden. Außerdem erklärte er uns, was für interessante Tiere wir da unten vielleicht zu Gesicht bekommen würden. Zum Schluss folgten noch die letzten Sicherheitshinweise und das Durchsprechen der gängigen Handzeichen. Denn Reden unter Wasser ist ja bekanntlich schwierig 🙂 Die Bedingungen an diesem Tag waren ziemlich gut, nicht zu vergleichen mit dem bayrischen Baggersee, in dem wir unsere bisherigen Erfahrungen gesammelt hatten.

So transportierten wir das gesamte Equipment an die äußere Hafenmauer. Als wir dort dann komplett mit Tarierjacket, Flasche und Gewichten ausgestattet waren, fühlten wir uns zentnerschwer. Schon das einfache Aufstehen von der Bank und der kurze Weg über die Treppe ans Wasser war für uns eine echte Herausforderung. Nur noch die Flossen und dann endlich ab ins klare, blaue Wasser. Es ist einfach ein tolles Gefühl, denn im Wasser vergießt man sofort, wieviel Gewicht man durch die Gegend geschleppt hat.

Das Abtauchen und Tarieren (Ausbalancieren unter Wasser) klappte erstaunlich gut. Ganz im Gegensatz zu meinem letzten Tauchgang in Deutschland hatte ich recht schnell eine stabile Position unter Wasser gefunden, anstatt zwischen Wasseroberfläche und Grund hin und her zu pendeln. Dietmar hatte schon in Deutschland wesentlich weniger Probleme mit dem Austarieren gehabt und das hatte sich auch nicht geändert. Wir waren aber beide sehr froh, dass wir einen kundigen Tauchlehrer dabei hatten, der nicht nur den Weg kannte, sondern auch unseren Luftverbrauch im Auge hatte. Außerdem sah er mit seinen gut geübten Augen auch Tiere, die eigentlich nicht gesehen werden wollten. Besonders Oktopusse versuchen, sich gern als Steine durch zu schummeln. Da hatten sie aber bei Marco keine Chance. Schon nach 35 Minuten hatten wir unsere Luft so weit verbraucht, dass wir den Tauchgang beenden mussten. Da müssen wir wohl noch weiter an unserer Entspannung arbeiten, denn bei erfahrenen Taucher reicht eine Flasche wohl bis zu einer Stunde 🙂

Die nächste Herausforderung war es aber, mit dem gesamten Equipment das Wasser wieder zu verlassen. Gut, das die Treppe ein stabiles Geländer hatte, an dem man sich hochziehen konnte. Die gefühlten 30 Kilo zusätzliches Gewicht zwangen mich fast in die Knie. Aber von solchen kleinen Anfangsproblemchen lässt man sich ja nicht abschrecken 🙂

Als wir nach dem Tauchgang zusammen in der Sonne vor der Tauchschule saßen, waren alle Anstrengungen und Startschwierigkeiten vergessen. In den Bestimmungsbüchern schlugen wir all die Fische nach, die uns über den Weg geschwommen waren. Streifenbarben, Trompetenfische, eine Spinnenkrabbe, einen Octopuss, Papageienfische und noch viele andere mehr hatten wir gesehen. Aber das Buch machte auch Lust auf mehr. So vereinbarten wir direkt den nächsten Tauchgang für den nächsten Nachmittag.

So entdeckten wir Madeira zuerst von der Unterwasserseite und tauchen nicht nur am Dienstag, sondern auch am Mittwoch. Für Donnerstag war aber die Wettervorhersage so, dass ein weiterer Unterwasserausflug nicht in Frage kam. Da mussten wir uns wohl oder übel ins Auto setzen und die Landseite der Insel erkunden 🙂

 

 

Kunst am Bau

Die Hafenmauer in Porto Santo ist ein richtiges Kunstwerk. Viele Segler, die hier einmal vorbeigekommen sind,  haben sich schon darauf verewigt. Ganz nach persönlichem Stil und künstlerischen Möglichkeiten findet man vom wahren Kunstwerk bis zum Strichmännchen eigentlich alles.

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Vor unserer Abreise hatten auch wir geplant, ein Zeugnis für die segelnde Nachwelt zu hinterlassen. Farbe hatten wir ja in der Stadt schon erstanden. Nachdem wir einen geeigneten Platz gefunden hatten und diesen mit der Drahtbürste ordentlich gesäubert hatten, wollte ich zuerst den weißen Hintergrund auftragen. Dabei hatte ich tatkräftige Hilfe von Alia. Aber trotz vereinter Kräfte beim Ausquetschen der Tube reichte die Farbe nur für die halbe Fläche 🙁 Bis in die Stadt waren es ja „nur“ zwei Kilometer Fußmarsch. Beim nächsten Mal würde ich gleich so viel Farbe kaufen, dass ich eine ganze Plakatwand bemalen könnte, wenn ich wollte 🙂

Zwei Stunden später konnte ich den Hintergrund endlich vollenden. Die Trockenzeit nutzte ich für einen Badeausflug zum nahegelegenen Strand. Man soll ja keine Zeit ungenutzt vertrödeln. Dann wurde es ernst: Unsere Sumsi sollte an die Wand. Gar nicht so einfach, denn radieren war ja hier nicht möglich. Ungeschickter Weise begann ich mit der Kontur in Schwarz. Das sollte ich noch bereuen. Denn die schwarze Farbe wollte einfach nicht trocknen und mischte sich mit allen anderen Farben, die ich noch verwendete. Was für eine Schmiererei 🙂 Aber am Ende war ich doch ganz zufrieden.

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Bis zum Ellenbogen mit Farbe beschmiert, stand ich auf der SUMMER vor verschlossener Tür. Dietmar, der künstlerisch nicht so motiviert war, war mit Hille und Torsten ins das örtliche Kolumbus-Museum verschwunden. Ordentlich wie er war, hatte er das Boot natürlich verschlossen. Gut, wenn man nette Nachbarn hat. So ließ Lars mich in unser Boot, ohne dass ich überall bunte Fingerabdrücke hinterlassen musste. So hatte ich mich schon wieder von der Ölfarbe befreit, als Dietmar aus der Stadt zurückkam. Und er war mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Wahrscheinlich hatte er Angst, sonst beim nächsten Mal selber ran zu müssen, obwohl er doch so ein begnadeter Maler von Steckdosentieren ist 🙂