Erste „Gehversuche“ unter Wasser

Von Porto Santo nach Quinta do Lorde auf Madeira ist es nur ein Katzensprung von gut 30 Seemeilen. Da konnten wir uns am Sonntag etwas mehr Zeit lassen und uns erst gegen zehn Uhr auf den Weg machen. Vorher versuchten wir über den Hafenmeister schon Plätze zu reservieren, denn ein paar dicke Tiefdruckgebiete sollen in der kommenden Woche nördlich durchziehen. Bei diesen Aussichten wollten wir nicht so gern vor Anker liegen.

Nachdem alles Organisatorische geregelt war, ging es auch schon los. Angenehmer Wind bis 20 Knoten und knapp zwei Meter Welle machten die Überfahrt sehr angenehm. Ich misstraute meinem Magen aber immer noch. Man weiß ja nie! So gab es vorsichtshalber unterwegs erstmal nichts zu essen 🙂 Das schadet ja nicht.

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Kurz bevor wir die ersten Felsen von Madeira erreichten, wurden wir wieder von Delphinen begrüßt. Diesmal war es eine Schule von über zwanzig Tieren. Einen Wal haben wir aber nicht entdecken können, obwohl es hier welche geben soll. Aber wir werden die nächsten Tage die Augen offen halten. Vielleicht haben wir ja noch Glück.

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Der Hafen von Quinta do Lorde gehört zu einem Hotelkomplex und wird von einem beeindruckenden Felsen überragt. Wir haben uns dort direkt wohlgefühlt. Während ich mich um das Essen kümmerte, erledigte Dietmar die Formalitäten im Hafenbüro. Als er zurück auf unsere SUMMER kam, hatte er eine Überraschung im Gepäck.

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Für den nächsten Tag hatte er mit der örtlichen Tauchschule einen Termin vereinbart. Jetzt wurde es ernst. Im März hatten wir noch in Bayern unsere PADI Open Water-Prüfung gemacht. Beim letzten Mal, als wir tauchen waren, hatten wir knappe 10°C Wassertemperatur und Schneeregen. Das sah hier natürlich deutlich besser aus 🙂

So begannen wir am nächsten Tag schon nach dem Frühstück damit, unsere Tauchausrüstung vorzubereiten. Nach fast sechs Monaten waren sie fast etwas eingestaubt. Flaschen und Blei konnten wir von der Tauchschule benutzen, damit wir das schwere Zeug nicht durch den ganzen Hafen schleppen mussten. Die bange Frage, ob man nach so einer langen und faulen Zeit noch in seinen Neoprenanzug passt, konnten wir nach einigem Ziehen und Zerren mit JA beantworten. Eine völlig neue Erfahrung war aber, dass so ein Neoprenanzug sehr warm sein kann. Bisher hatte ich in meinen Tauchsachen nur gefroren. Heute war das mal anders.

In der Tauchschule bekamen wir zuerst ein ausführliches Briefing von unserem Tauchlehrer Marco. Wir würden heute am Hausriff tauchen, direkt vor der Marina. Gründlich besprach er mit uns die Route, die wir nehmen und die Tiefen, die uns erwarten würden. Außerdem erklärte er uns, was für interessante Tiere wir da unten vielleicht zu Gesicht bekommen würden. Zum Schluss folgten noch die letzten Sicherheitshinweise und das Durchsprechen der gängigen Handzeichen. Denn Reden unter Wasser ist ja bekanntlich schwierig 🙂 Die Bedingungen an diesem Tag waren ziemlich gut, nicht zu vergleichen mit dem bayrischen Baggersee, in dem wir unsere bisherigen Erfahrungen gesammelt hatten.

So transportierten wir das gesamte Equipment an die äußere Hafenmauer. Als wir dort dann komplett mit Tarierjacket, Flasche und Gewichten ausgestattet waren, fühlten wir uns zentnerschwer. Schon das einfache Aufstehen von der Bank und der kurze Weg über die Treppe ans Wasser war für uns eine echte Herausforderung. Nur noch die Flossen und dann endlich ab ins klare, blaue Wasser. Es ist einfach ein tolles Gefühl, denn im Wasser vergießt man sofort, wieviel Gewicht man durch die Gegend geschleppt hat.

Das Abtauchen und Tarieren (Ausbalancieren unter Wasser) klappte erstaunlich gut. Ganz im Gegensatz zu meinem letzten Tauchgang in Deutschland hatte ich recht schnell eine stabile Position unter Wasser gefunden, anstatt zwischen Wasseroberfläche und Grund hin und her zu pendeln. Dietmar hatte schon in Deutschland wesentlich weniger Probleme mit dem Austarieren gehabt und das hatte sich auch nicht geändert. Wir waren aber beide sehr froh, dass wir einen kundigen Tauchlehrer dabei hatten, der nicht nur den Weg kannte, sondern auch unseren Luftverbrauch im Auge hatte. Außerdem sah er mit seinen gut geübten Augen auch Tiere, die eigentlich nicht gesehen werden wollten. Besonders Oktopusse versuchen, sich gern als Steine durch zu schummeln. Da hatten sie aber bei Marco keine Chance. Schon nach 35 Minuten hatten wir unsere Luft so weit verbraucht, dass wir den Tauchgang beenden mussten. Da müssen wir wohl noch weiter an unserer Entspannung arbeiten, denn bei erfahrenen Taucher reicht eine Flasche wohl bis zu einer Stunde 🙂

Die nächste Herausforderung war es aber, mit dem gesamten Equipment das Wasser wieder zu verlassen. Gut, das die Treppe ein stabiles Geländer hatte, an dem man sich hochziehen konnte. Die gefühlten 30 Kilo zusätzliches Gewicht zwangen mich fast in die Knie. Aber von solchen kleinen Anfangsproblemchen lässt man sich ja nicht abschrecken 🙂

Als wir nach dem Tauchgang zusammen in der Sonne vor der Tauchschule saßen, waren alle Anstrengungen und Startschwierigkeiten vergessen. In den Bestimmungsbüchern schlugen wir all die Fische nach, die uns über den Weg geschwommen waren. Streifenbarben, Trompetenfische, eine Spinnenkrabbe, einen Octopuss, Papageienfische und noch viele andere mehr hatten wir gesehen. Aber das Buch machte auch Lust auf mehr. So vereinbarten wir direkt den nächsten Tauchgang für den nächsten Nachmittag.

So entdeckten wir Madeira zuerst von der Unterwasserseite und tauchen nicht nur am Dienstag, sondern auch am Mittwoch. Für Donnerstag war aber die Wettervorhersage so, dass ein weiterer Unterwasserausflug nicht in Frage kam. Da mussten wir uns wohl oder übel ins Auto setzen und die Landseite der Insel erkunden 🙂

 

 

4 Gedanken zu „Erste „Gehversuche“ unter Wasser

  1. Hallo Katja,
    ein wirklich extrem gut gelungenes Delphin Foto. Super! Kompliment 🙂
    Viele Grüße aus Lagos…wir hinken langsam hinter Euch her.
    Bis bald und beste Grüße
    Sabine

    P.S. Und ein Tipp noch bezüglich der Tauchermaske: Rein spucken, verreiben, mit Salzwasser spülen, drauf achten dass dann die Maske befeuchtet bleibt(waagerecht mit etwas Wasser drin halten bis zum Aufsetzten) und nie, wirklich nie wieder beschlägt sie! Vergiss alle anderen Mittel, Deine eigene Spucke hast Du immer dabei 🙂 (Erprobt von Joachim > 800 Tauchgänge und mir > 300)

    1. Vielen Dank für den Tipp. Ich habe das Alles schon versucht, leider funktioniert das bei meiner Brille nicht. Aber sie ist schon ziemlich alt, ihr beste Zeit scheint wohl vorbei zu sein 🙂 Zeit für was Neues 🙂 Das Delphine-Foto hat Dietmar gemacht. Ich werde das Lob weiterleiten. Wir freuen uns, wenn wir Euch wieder treffen. Wie sieh denn Eure Zeitplanung aus? Kommt Ihr auch nach Madeira?

      1. Hallo Katja,
        ja, wir gehen auch über nach Madeira auf die Kanaren, aber wir bleiben wohl bis Ende November auf dem Festland. Wir sind seit einer Woche in Lagos, wollen aber nicht mehr viel weiter östlich segeln, ggf. noch nach Portimáo. Von einem dieser Orte werden wir wohl mit dem Bus nach Sevilla für zwei Tage fahren und wenn dann ein Wetterfenster da ist, kommen wir nach.
        Euch noch schöne Tage und bis bald.

  2. Hallo Katja,
    noch ein Nachtrag von Joachim: Wenn die Maske nagelneu ist, dann hilft Spuke (noch) nicht. Zuerst solltest Du die Maske von innen kräftig mit Zahncreme ausreiben. 🙂

    Viele Grüße
    Sabine

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