Archiv für den Monat: August 2016

Die Geschichte mit dem Elch

Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann kann ich schon etwas anstrengend werden. Und die Geschichte mit dem Elch hatte mittlerweile schon eine recht hohe Priorität. Nach drei Tagen mit schönen, aber elchlosen Wanderungen begann ich mit der Internetrecherche. Wenn der Elch nicht zu mir kommen wollte, dann würde ich eben zum Elch fahren.

Besonders beliebt bei Elchen sind die komplett bewaldeten Gebiete im Norden und Osten von Maine an der Grenze zu Kanada. Natürlich nicht der kürzeste Weg, aber wenn schon, denn schon. So entschied ich mich für die Region um den Moosehead Lake im Norden von Maine, drei Autostunden von Southwest Harbor entfernt. Hier wollte ich eine geführte Tour mit Kanu und Van unternehmen. Zähneknirschend entschied ich mich für die Nachmittagstour. Morgens wäre mir ja eigentlich viel lieber gewesen, aber um zwei Uhr in der Früh mit dem Auto zu starten, um pünktlich um halb sechs vor Ort zu sein, das war sogar für mich zu viel des Guten. Ein Auto galt es auch noch zu organisieren. Mit dem kostenlosen „Island Explorer“-Bus fuhr ich zum Flughafen. Nach nur zwei Stunden Fahrzeit mit dem Trödelbus erreichte ich endlich den Flughafen (Fahrzeit mit dem Auto ca. 25 Minuten :-)) und begab mich schon zum vierten Mal an dem Schalter der Autovermietung. Nach harten Verhandlungen konnte ich mit meinem Mietwagen von dannen ziehen, der diesmal für drei Tage deutlich günstiger gewesen war als für die zwei Tage bei der ersten Anmietung.

Deutlich schneller war ich so zurück in Southwest Harbor und half Dietmar noch ein bisschen auf der Werft. Morgen wollte er die Aufbauten lackieren, dafür musste zuvor alles schön angeschliffen werden. Er erzählt ja immer gern wieder, dass er zu einem Lackierpinsel mutiert ist, seit wir unsere CESARINA besitzen. Dass ich aber auch zum Schleifpapier mutieren sollte, davon hatte vorher keiner was gesagt. Aber morgen habe ich ja frei und will mich auch gar nicht beklagen 🙂

Den Abend verbrachten wir mit Freunden und leckerem Essen beim Mexikaner gleich um die Ecke. Ein schöner Abend, für den wir uns in Kürze gern mit einem Dinner an Bord bedanken wollen, wenn unsere CESARINA wieder im Wasser schwimmt. Das sollte ja in Kürze wieder möglich sein.

Am nächsten Morgen machte ich mich gegen elf Uhr auf den Weg nach Greenville am Moosehead Lake. Der Samstagsverkehr brachte mir mehrere Verkehrsstaus auf der Landstraße ein, die aber meine großzügige Zeitplanung locker ausgleichen konnte. So erreichte ich Greenville gut zwei Stunden vor dem Start der Tour uns konnte mich noch ein bisschen umsehen. Hier drehte sich wirklich alles um den Elch. Schon an der Straße waren deutlich mehr und zusätzlich noch blinkende Warnschilder „ Moose Crossing“ aufgestellt. Hier war ich wohl richtig. Die Gegend war wunderschön und ich entschied mich noch ein bisschen um den See herum zu fahren. Leider suchte ich mir die falsche Seite aus, denn die Straße führte ohne jegliche Aussicht durch den tiefen Wald. Auf dem Rückweg erstand ich sicherheitshalber noch einen Holzelch 🙂 Falls es also mit dem echten Getier nicht klappen sollte, würde ich wenigstens mit einem Holz-Elch zurückkommen.

Pünktlich um halb vier machte sich die Gruppe mit unserem Guide Steve auf den Weg. Mit dem Van ging es auf Schotterstraßen tief in das Seengebiet hinein. Große Gebiete hier oben gehören verschiedenen. großen Holzfällerunternehmen. Sie erlauben der Öffentlichkeit die Nutzung der von ihnen angelegten Straßen, soweit sie Firmenfahrzeuge nicht behindern. Nach knapp einer Stunde erreichten wir einen Parkplatz am Ufer eines wunderschönen Sees. Den konnten wir aber noch nicht sehen, da Steve erstmal alleine ans Ufer schlich, um nach Elchen Ausschau zu halten. Wie wir auf der Fahr hierher schon gelernt hatten, sehen Elche schlecht und hören gut. So folgten wir erst, nachdem leider kein Elch am Ufer zu sehen war und brachten möglichst leise die Kanus ins Wasser. Schweigend und möglichst leise paddelten wir rund um den See. Elche lieben die Ufergebiete mit Binsen, die sie mit dem Kopf unter Wasser abweiden. Trotz unserer Bemühungen war am Ufer kein Elch zu sehen, aber die Kanutour war trotzdem schön und entspannend 🙂

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Als wir zurück am Ufer angelangt waren und die Kanus verstaut hatten, hatten wir a noch gut zwei Stunden Zeit, einen Elch zu entdecken. Mittlerweile stand die Sonne auch nicht mehr so hoch am Himmel und die Bedingungen wurden immer besser.

Schon am nächsten Seeufer, das wir ansteuerten, wurde Steve fündig. Nicht weit entfernt weidete eine Elchkuh. Leise schlichen wir uns an und beobachten die Dame. Die ließ sich nicht von uns beeindrucken. Der Hunger war größer. Als Steve sie dazu bewegen wollte, wenigstens mal den Kopf über die Binsen zu heben und dazu kräftig im Wasser platschte, war nur ein müdes Wackeln mit den Ohren zu beobachten. Und schon wieder war der Kopf zum Fressen unter Wasser verschwunden 🙂

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Bis pünktlich um acht Uhr durchstreiften wir den Wald und sahen in weiter Ferne tatsächlich noch einen zweiten Elch. Elche gibt es hier oben wohl genug. Angeblich gibt es dreimal so viel wie Menschen, die hier leben. Problematisch ist halt, dass der Elch ein Einzelgänger ist und der Wald sehr wild und undurchdringlich ist. Ich möchte gar nicht wissen, an wie vielen Elchen wir vorbei gefahren sind mit weniger als 10 Metern Abstand 🙂 Für mich war der Ausflug auf jeden Fall ein voller Erfolg 🙂

Jetzt musste ich nur noch wieder nach Southwest Harbor zurück. Im Norden von Maine ist der Ausbau des Mobilfunknetzes leider recht dürftig und meine Routenplanung mit Google Maps leitete mich über merkwürdige kleine Straßen 🙁 Hier wollte ich lieber keine Panne haben 🙁 Mein Telefon funktionierte gar nicht und bis morgen früh käme hier bestimmt keiner vorbei. Gut, dass ich so einen tapferen und zuverlässigen, kleinen Mietwagen hatte. Irgendwann hatte ich dann auch die Interstate wiedergefunden und von da aus war es ein Kinderspiel zurück nach Southwest Harbor zu finden. Dietmar schlief schon den Schlaf der Gerechten, als ich mich möglichst leise über die Leiter auf unsere Baustelle schlich. Er hatte ja auch den ganzen Tag fleißig gearbeitet und lackiert, da wollte ich ihn auch nicht wecken 🙂

 

 

Von großen und von kleinen Tieren

Wenn man in Maine einen Andenkenladen besucht, fallen einem neben den allgegenwärtigen Lobstern und den Blaubeeren zwei Tiere ins Auge, die auf vielen Fotos, Bildern oder Postkarten zu finden sind: Elche und Puffins.

Die niedlichen Papageientaucher hatten uns schon in England sehr fasziniert und wir waren beide etwas traurig, dass unsere Reiseroute nicht entlang der englischen Südküste verlief, wo die putzigen Kerlchen schon einmal anzutreffen sind. Auf Mount Desert Island selbst leben keine Puffins, aber auf den vorgelagerten Inseln eventuell schon. Da wir ja momentan ohne eigenes Boot waren, entschieden wir uns für eine Tour von Bar Harbor aus, die „Whale and Puffin Watching“ versprach.

Pünktlich morgens um acht Uhr war Boarding und bald war der Ausflugskatamaran mit unternehmungslustigen Touristen gefüllt. Der Morgen war sonnig und windstill, aber als wir das riesige Feld der Lobsterbojen hinter uns gelassen hatten und der Katamaran ordentlich Fahrt aufnahm, war es schon erstaunlich frisch. Gut, dass wir beim Segeln nicht auf solche Geschwindigkeiten kommen, wenn wir Richtung Süden aufbrechen würden. Das war uns schon empfindlich zu kalt 🙂

Kurz nach dem Ablegen teilte der Kapitän über Lautsprecher mit, dass auf der heutigen Tour wohl nicht mit Puffins zu rechnen wäre. wir glaubten, unseren Ohren nicht zu trauen. Noch vor zweit Tagen hatten wir die Tour als Puffin-Tour verkauft bekommen und dann das???? Des Rätsels Lösung war relativ einfach. In der Zeit, in der die Puffins Junge haben, sind sie recht sicher bei Ihren Nestern anzutreffen. Jetzt Mitte August sind die Jungen schon flügge und die Puffins wieder überall auf dem Atlantik verteilt. Als ob uns das der nette junge Mann am Verkaufsschalter nicht auch schon hätte gestern mitteilen können. Dann hätten wir die Tour erst gar nicht unternommen. Wale hatten wir auf unserer Reise ja schon ein paar gesehen.

Aber wenn man schon unterwegs ist, dann nützt einem ja aller Ärger nichts mehr. So ließen wir uns überraschen, was da auf uns zukommen würde. Und ich nahm mit der Kamera jeden noch so weit entfernten Vogel genau unter die Lupe. Vielleicht war ja doch ein Puffin dabei?!

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6KH_0657Vorbei am Leuchtturm von Egg Rock, den wir von Land aus schon oft gesehen hatten, ging es hinaus auf das offene Meer. Der erste Wal ließ auch nicht lange auf sich warten. Ein Zwergwal zog ganz in der Nähe seine Kreise. Kaum war der verschwunden, tauchte ein Finnwal auf. Die beeindruckende Größe lässt sich auf den Fotos leider nicht annähern darstellen 🙁 .Aber es wurde noch besser: Zwei Buckelwale hatten beschlossen, uns ein ganz besonderes Schauspiel zu bieten. Immer wieder tauchten sie direkt neben dem Katamaran auf. Mehr als eine halbe Stunde lang konnten wir das Schauspiel genießen 🙂 Da hatte sich der Ausflug also doch gelohnt.

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Auf dem Rückweg bekamen wir dann noch einen ganz besonderen Exoten zu sehen: einen Riesenhai, den zweigrößten Fisch der Welt nach dem Walhai. Aber keine Sorge, der friedliche Planktonfresser trachtet niemandem nach dem Leben.

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Der krönende Abschluss für mich waren aber die zwei Puffins, die in einiger Entfernung an uns vorbei paddelten. Somit es ja doch noch geklappt 🙂 auch wenn das Foto eher ein Suchbild geworden ist 🙂

Auch an Land gab es einige Tiere zu entdecken. Uns waren auf unseren Touren zwar schon mehrere Hirsche begegnet, aber der von mir so herbeigewünschte Elch war noch nicht aufgetaucht. Dafür zeigten sich ganz viele Eichhörnchen von Ihrer besten Seite und standen willig Modell.

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Auch Frösche und Schlangen liefen uns auf unseren Wanderungen über den Weg.

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Es handelt sich hierbei aber erfreulicherweise nur um eine Gartennatter, die maximal 60 cm lang wird und auch nicht giftig ist. Das ist auch ganz gut so, denn ich wäre auf dieses schöne Exemplar beinahe draufgestiegen 🙂

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Neben unzähligen Möwen, Enten, Gänsen, Kormoranen und Reihern sind hier oben hoch im Norden auch Kolibris heimisch, die ich nie erwartet hätte. Was die wohl im Winter machen? Im Schmetterlingsgarten in Southwest Harbor konnten man die flinken Gesellen zwischen den Schmetterlingen flitzen sehen.

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An einem windstillen und sonnigen Tag findet man hier neben den Monarchen verschiedene andere Schmetterlinge in einem wunderbar bunten und direkt am Wasser gelegenen kleinen Park fernab vom Touristentrubel.

Nur der Elch machte mir langsam Sorgen? Irgendwie wollte der nicht auftauchen. Dietmar schüttelte schon immer leicht genervt den Kopf, wenn ich mit dem Thema anfing 🙂 Irgendwie nahm er mich da wohl nicht ganz ernst 🙂

 

Zu Gast in HINCKLEY`s Traumfabrik

Heute stand für uns ein besonderer Leckerbissen auf dem Programm. Als mittlerweile gute Kunden von HINCKLEY haben wir eine Einladung erhalten, uns die Fertigung von neuen Yachten in Bar Harbor anzusehen. Wir wurden dort sehr freundlich empfangen und haben uns sogleich mit dem Produktionsmanager Frederick auf den Weg in die heiligen Hallen gemacht. Hier werden von ca. 370 Mitarbeitern mit viel Herzblut und Geschick ca. 60 neue Yachten von 12 bis 23 Meter überwiegend in Handarbeit gefertigt. Davon sind aber nur 5 Stück Segelyachten, der Rest sind Motoryachten. Die Werft wurde 1928 an der US-Ostküste gegründet und hat sich international ein hoher Ansehen als Hersteller von Qualitätsyachten erarbeitet. Ich selber hatte ja schon die Gelegenheit eine der Yachten mit je zwei 500 PS Jetantrieben in freier Wildbahn zu testen. Wie cool war das denn 🙂 ?

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Als erstes hatten wir die Gelegenheit, uns die Bootstischlerei oder „Carpinterie“ anzusehen. Hier werden alle Arten von edlen Hölzern je nach Kundenwunsch verarbeitet und die einzelnen Bauteile und Komponenten gefertigt, die später dann in das Schiff eingebaut werden. Da jedes Schiff einen sehr hohen Grad an Individualisierung aufweist und kundenspezifisch gefertigt wird, gleicht kein einziges Schiff dem anderen. Dass sich dieser hohe Aufwand im Preis der Yachten niederschlägt, wird dadurch jedem sehr leicht verständlich. Eine 12 Meter lange Segelyacht zum Beispiel kann deutlich mehr als eine Million US Dollar kosten. In der Großserie bekommt man eine segelfertige Yacht schon für unter zweihundert tausend US Dollar

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Bevor die einzelnen Bauteile die Tischlerei verlassen, erhalten diese bis zu 12 Schichten Klarlack. Große Flächen werden in einer Lackierkabine im Spritzverfahren lackiert und bei kleineren Flächen kommen Pinsel und Rolle zum Einsatz. Allein dieser Prozess füllt schon Bände mit Fachwissen und Erfahrungsberichten. Das Ergebnis hat dann Klavierlackqualität.

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In der nächsten Halle werden Rumpf und Deckschale produziert. Wie das gemacht wird, hat Fred uns anhand eines Modells gut verdeutlicht.

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Zuerst wird im Spritzverfahren das sogenannte Gelcoat, also die Außenhaut und später sichtbare Oberfläche, auf die sogenannte Negativform aufgebracht. Danach werden mehrere Lagen aus Kevlar, Glasfaser, Kohlefaser und noch so einigen anderen Materialien mehr über die Negativform gelegt, welche für jeden Bootstyp einer Klasse standardisiert ist. Diese Lagen werden dann abschließend mit einer Folie bedeckt und gegen die Form so abgedichtet, dass man ein Vakuum darauf ziehen kann. An dem einen Ende wird die Luft abgesaugt und an dem anderen wird dann über ein Schlauchsystem ein spezielles Harz hinein gepumpt. Die hohe Kunst ist es jetzt den Prozeß so zu steuern, dass alle Hohlräume oder Blasen vollständig verschwunden sind. Es gibt nur einen Versuch und wenn es in die Hose geht, ist sehr viel Material und Zeit verloren. Das Harz härtet dann aus und am Ende wird die Schale dann wieder von der Form getrennt. Den Prozeß nennt man Vakuum-Infusions-Verfahren.

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Negativform für eine Deckschale. Bevor die Lagen laminiert werden, wird die Schale mit einem Trennmittel eingesprüht, damit sich das Gelcoat nicht mit der Form verbindet.

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In dem nächsten Bereich werden in die Rumpfschale die komplette Antriebstechnik, die Diesel und Wassertanks, die Kabinen, Steuerstände, Elektronik und noch vieles mehr eingebaut. Jetzt sind ja noch alle Bereiche frei zugänglich. Bei der Fülle an einzelnen Bauteilen, wird es später wahnsinnig eng unter Deck wie man gut erkennen kann. Schiffstechniker sind daher in der Regel auch eher kleinere und meist sehr gelenkige Menschen. In dem Deckel werden auch schon die Luken, Fenster und alle erdenklichen Beschläge eingebaut.

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Der nächste Schritt wird „Hochzeit“ genannt. Damit ist gemeint, dass Ober- und Unterteil miteinander verklebt und verschraubt werden. Bevor das aber geschieht, werden wirklich alle erdenklichen Einzelteile auf Passgenauigkeit und Funktion geprüft. Auch hier gibt es nur einen Versuch. Wenn der Kleber erst einmal abgebunden hat, gibt es kein Zurück mehr.

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Am Ende der Fertigungsstraße wird das Schiff dann endmontiert und von der Qualitätssicherung abgenommen. Bevor es dann dem glücklichen Kunden präsentiert wird, werden auch auf dem Wasser alle Komponenten einem sehr ausführlichen Tests unterzogen. Denn am Schluss möchte und wird HINCKLEY seinem Ruf als Premium- und Qualitätshersteller mit jeder einzelnen Yacht gerecht werden.

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Das war ein sehr interessanter und wertvoller Tag für uns. Trotzdem hängt mein Herz an unserer CESARINA und das ist auch gut so 🙂

Der Acadia Nationalpark

Wie lässt man seinen Urlaub am besten beginnen? Mit einem Frühstück in unserem Lieblingscafé. So ließen wir den Samstag ruhig beginnen und verbrachten den nebligen und regnerischen Morgen bei einem gemütlichen und ausgiebigen Frühstück bei „Sips“ in Southwest Harbor. So gestärkt fühlten wir uns in der Lage, weitere Neuigkeiten von der Werft zu ertragen. Nachdem wir also mit Mark einen ungefähren Zeitplan besprochen hatten, suchten wir uns eine Unterkunft in Werftnähe, die wir ja ab dem kommenden Montag brauchen würden. Sicherheitshalber buchten wir das Zimmer gleich für eine Woche, man weiß ja nie 🙂

Den restlichen Tag verbrauchten wir mit Einkaufen, Wäschewaschen und anderen, alltäglichen Dingen. Nachdem wir in den letzten Tagen abends so oft im Restaurant essen waren und uns die riesigen amerikanischen Portionen immer so schwer im Magen lagen, hatten wir ein neues Konzept entwickelt. Auto-Picknick! Nach einem ausgiebigen Einkauf im Supermarkt machten wir es uns in unserem Mietauto gemütlich und fielen gleich über unsere Einkäufe her. Ein Picknick in freier Natur wäre natürlich schöner gewesen, aber bei Nieselregen war es nicht besonders einladend 🙂 Und in unserem Mini-Häuschen war unser Bett die einzige Sitzgelegenheit. Das wollten wir ja nicht mit Krümeln füllen 🙂

In den nächsten Tagen waren wir entweder zu Fuß oder mit dem Auto im Park unterwegs.

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Wir besuchten den „Wild Garden of Acadia“, in dem man einen tollen Überblick über alle Pflanzen und Bäume bekommen kann, die man hier auf der Insel findet.

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Wir genossen die Aussicht auf den Leuchtturm auf der vorgelagerten Insel „Egg Rock“, auch wenn die Sicht durch Nebel noch eingeschränkt war.

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Bis wir auf der Park Loop Road das Otter Cliff erreicht hatten, war das Wetter schon deutlich besser geworden und einem wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Cadillac Mountain stand nichts mehr im Wege.

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Auch das „Bass Harbor Head Lighthouse“ wollten wir bei Sonnenuntergang sehen. Da waren wir eindeutig nicht die Einzigen :-), aber erfreulicherweise früh genug, um noch einen Parkplatz zu ergattern. Das Schauspiel war dann aber auch wirklich beeindruckend.

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Aber auch tagsüber ist der Leuchtturm einen Besuch wert und es ist auch viel weniger los 🙂

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Wir nahmen am kostenlosen Programm des Parks teil und unternahmen einen Wanderung mit einem Ranger zur Bar Island, einer vorgelagerten Insel von Bar Harbor, die bei Ebbe zu Fuß erreichbar ist.

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Außerdem besuchten wir einen Fotokurs, der sich leider als etwas langwierig und theoretisch erwies. Wir hatten eher eine Wanderung zu besonders schönen Plätzen erhofft, aber in den zwei Stunden legten wir keine 500 Meter zurück und hatten lange Ohren 🙂

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Zu Fuß wanderten wir an Jordans Pond entlang und versuchten den Bubble Rock zu erklimmen. Von dieser Seite kein leichtes Unterfangen, das kurz vor dem Gipfel an einer schmalen Felsspalte scheiterte, die wir beiden nicht erklimmen wollten. Trotzdem konnten wir die Aussicht hoch über dem See genießen.

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Dem Bubble Rock rückte ich dann später noch einmal von der anderen Seite auf die Pelle. Und es war schon ein schönes und lohnendes Ziel für eine erneute Wanderung hier im Park.

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An Tagen mit schlechtem Wetter versinkt die Insel komplett im Nebel. Auch ein schöner Anblick und mal wieder eine Gelegenheit für ein ausgiebiges und gemütliches Frühstück bei „Sips“ :-).

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CESARINAS Refit -Teil 1

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Am Freitag, den 12. August sind wir dann endlich in Southwest Harbor angekommen. Der erste Weg führte uns natürlich zu den heiligen Hallen der HINCKLEY Werft. Da wir wussten, dass unsere CESARINA zum Lackieren vorbereitet werden sollte, fanden wir sie dann auch in der Halle 3, dem Reich von Jeff. Jeff ist seit 25 Jahren für das Lackieren von neuen und neu zu lackierenden Yachten zuständig. Sein Ruf eilte ihm schon voraus. Er solle der wohl beste und erfahrenste Mann an der US Ostküste für top Yachtlackierungen sein. Immerhin werden hier bei Hinckley circa 60 Yachten pro Jahr lackiert, was ja schon einmal eine recht ordentliche Hausnummer ist.

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Die ersten Vorarbeiten waren bereits schon erledigt. Das heißt, dass die beschädigten Bereiche in der Außenhaut (Gelcoat) bereits gespachtelt und geschliffen wurden. Was jetzt folgte, kann man getrost als echte Knochenarbeit bezeichnen. Da CESARINA einen sehr dunklen Lack bekommen wird, der dazu auch noch durch vier Extraschichten Klarlack hochglänzend sein wird, muss die Oberfläche absolut eben sein. Diese hohe Qualität erhält man, indem ein relativ grobes Schleifpapier auf ein ca. 1 Meter langes und flexibles Brett geklebt wird und mit dem dann in reiner Handarbeit und mit viel Muskelkraft der gesamte Rumpf abgeschliffen wird. In der Fachsprache nennt man das „Boarding“. Man darf ja nie vergessen, dass wir hier über ein 17,40 Meter langes Schiff sprechen. Da können die Arme ganz schön lang werden. Dazu stehen die Jungs auf stark schwankenden Bretten in luftiger Höhe. Allein dieser Job benötigt circa. 50 Arbeitsstunden. Aber für irgendwelche Kompromisse waren weder Jeff noch wir zu haben. Top Qualität braucht eben eine perfekte Vorbereitung.

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Nachdem soweit alle Feinheiten besprochen waren, machten wir uns dann auf die Suche nach unserem Motor, den wir schließlich  in der Schlosserei fanden. CESARINA`s „Herz“ stand dort fein säuberlich mit neuem Lack versehen auf dem Boden der Werkstatt. Was für eine Freude mir dieser Anblick bereitet hat, ist kaum zu beschreiben. Die Maschine sah wirklich aus wie neu. Wie viele Stunden hatte ich schon mit Arbeiten an dem Motor verbracht und mich so oft geärgert, dass tief in der Bilge eine übelriechende, ölige Flüssigkeit stand und der Motor aussah, als wäre er schon 20000 Stunden gelaufen. Tatsächlich hat er aber erst 2000 Stunden auf der Uhr. Ich weiß, ich bin in diesen Dingen vielleicht zu pedantisch, aber ich liebe es nun einmal, wenn alles sauber und appetitlich ist. Aus dem Grund haben wir auch die gesamte Bilge neu beschichten lassen und die Maschine gründlich überholen lassen. Folgende Arbeiten an der Maschine wurden in Auftrag gegeben: Maschine ausbauen, reinigen und neu lackieren, Dieselpumpe und Injektoren ausbauen und neu kalibrieren lassen, alle Leitungen, Filter und Schläuche erneuern, Ölwechsel, Impeller wechseln, Ventile einstellen , Anlasser erneuern, Lichtmaschine erneuern, Stoppschalter erneuern, manuellen Stoppschalter installieren, Gas und Schaltzug erneuern, Getriebeöl erneuern etc. Dazu gibt es noch eine neue Dieselfilteranlage und eine neue Bilgenpumpe. Ich freue mich schon, wenn ich den Maschinenraum später einmal als Schmuckstück präsentieren kann, was ich dann auch sicherlich sehr gern tun werde. Einen Maschinenraum von dessen Fußboden man essen kann 🙂 Perfekt eben!

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Die Jungs hatten übers Wochenende fleißig am Schiff gearbeitet und alle Unebenheiten am Rumpf durch schleifen, spachteln, schleifen beseitigt. Die vielen weißen Stellen sind alle einmal gespachtelt und geschliffen worden. Dazu gehören neben starken Armen auch sehr gute Augen, Fingerspitzengefühl und eine gehörige Portion Erfahrung.

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Schon am Dienstag folgte der nächste Schritt. Nachdem der Rumpf gereinigt und wieder einmal sauber abgeklebt und in Folie verpackt worden ist, hat Jeff dann den sogenannten Primer mit der Spritzpistole aufgebracht. Der Primer hat die Aufgabe, dass der Lack später auch perfekt auf dem Untergrund haften wird. Schon hier konnte man sehen, dass die lackierten Oberflächen so glatt wie ein Baby-Popo waren.

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Nachdem der Primer über Nacht durchgetrocknet war, hieß es dann wieder schleifen. Die gesamte Oberfläche musste wieder per Exzenterschleifer angeschliffen werden, um zum einen den Haftgrund für die nächste Farbschicht vorzubereiten und zum anderen eventuelle Pickel auf der Oberfläche zu beseitigen. Am Donnerstag war es dann soweit, dass Jeff den gesamten Rumpf in AWL Grib „Flag Blue“ lackieren konnte. Ganze fünf Farbschichten wurden mit der Spritzpistole aufgebracht, um eine perfekte und lang haltende Schichtdicke zu erreichen. Das klingt so einfach, aber ganz genau das Gegenteil ist der Fall. Man muss bedenken, dass die Flächen sehr groß sind und dort kiloweise Lack gleichmäßig aufgebracht wird. Dazu arbeitet der Lackierer im Vollschutzanzug mit Atemmaske, da er ja sonst wegen der Lösungsmittel ohnmächtig vom Gerüst fallen würde. Dazu muss er noch aufpassen, dass der Lack nicht zu dick aufgetragen wird weil es sonst Läufer und Lacknasen geben würde. Spät am Abend war das Werk dann vollbracht.

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Am Freitag Mittag kam ich dann voller Vorfreude in die Halle und glaubte meinen Augen nicht trauen zu können. Jeff war schon wieder dabei die wirklich durchgehend hochglänzend und perfekte Oberfläche wieder mit dem Schleifer zu bearbeiten. Mit einem Lachen in den Augen sagte er mir, er hätte selber das Gefühl, dass dieser Schritt reiner Vandalismus  sei 🙂 Auf der linken Seite spiegelte sich die Wand und auf der rechten Seite war schon wieder alles fein matt geschliffen. Aber es ist nun einmal notwendig, weil ich mir mit den zusätzlichen 4 Schichten Klarlack einen Sonderwunsch erfüllt habe. Der Lack soll später einmal so aussehen, als läge er unter einer Schicht aus Glas. Wenn sich das Wasser und die Sonne darin spiegelt, soll es dadurch wunderschöne Licht- und Farbeffekte geben. Das hat sogar den Lackierern gefallen, weil es schon etwas besonderes ist und wohl nur selten bestellt wird. Aber unsere CESARINA ist ja schließlich auch ein besonderes Schiff 🙂

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Am Sonntag stand ein weiteres Highlight auf dem Programm. Gegen 11:00 holte uns Renee aus dem Motel ab und wir fuhren gemeinsam zur Werft. Renee ist eine Künstlerin aus Southwest Harbor, die schon seit vielen Jahren die Namenszüge in 24 Karat Gold Leaf auf das Heck von edlen Yachten zaubert. Schon vor einigen Wochen haben wir uns am Schiff getroffen, um über diesbezügliche Vorstellungen und Wünsche zu sprechen. Nach einigen Entwürfen haben wir uns dann auf einen davon geeinigt, der allen Seiten als stimmig erschien. Mittels einer Lage aus einem Durchschreibe-Pergamentpapier zwischen dem Bogen Papier mit dem Schriftzug und dem Heck, hat sie die Umrisse der einzelnen Buchstaben auf das Heck gebracht. Dann kam der künstlerische Akt. Die einzelnen Buchstaben hat sie dann mit einem Pinsel und einer speziellen Tinktur frei Hand ausgemalt. Allein die vielen Rundungen und Bögen über große Strecken so perfekt hinzubekommen ist eine echte Kunst. Nach gut 5 Stunden war es dann vollbracht.

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Im nächsten Schritt wird eine dünne Lage aus 24 Gold über die gemalten Flächen mit dem Kleber gelegt und angedrückt. Anschließend werden mit einem weichen Pinsel die überstehenden Goldreste entfernt und in einer Schachtel aufgefangen. Spätestens jetzt zeigt es sich wie präzise und sauber der Pinsel geführt wurde. Renee hat es sehr perfekt hinbekommen. Letztendlich hat sie auch nur einen Versuch. Sonst würde es teuer werden und der Untergrund wäre auch gründlich versaut 🙂

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Das perfekte Finish erhält das Kunstwerk dann noch dadurch, dass mit einem Tuch aus Samt die weichen Oberflächen bearbeitet werden. Durch vorsichtige Streichbewegungen unter leichtem Druck auf dem weichen Gold werden feinste Konturen erzeugt, in denen sich das Licht bricht und je nach Lichteinfallswinkel tolle Effekte ergibt. Genau wie bei unserem Lack 🙂 Ganz am Schluss wird das gesamte Heck mit 8 Schichten Klarlack überzogen, um den Schriftzug dauerhaft zu versiegeln. Ich bin der Meinung, dass man es kaum noch perfekter machen könnte 🙂

 

 

Zurück in Maine

Gestern schon hatten wir die Staatsgrenze nach Maine überquert und folgten der wunderschönen und bizarren Küste. In fast jeder Stadt und jedem Dorf, das wie passierten, drehte sich das Leben um Boote oder Fischerei. Immer wieder verließen wir die Küstenstraße 1 und folgten irgendeiner kleineren Straße hinaus an die Küste. Hier bot sich uns fast immer eine atemberaubende Aussicht.

An manchen Stellen wurde sie noch zusätzlich durch einen Leuchtturm gekrönt. Unzählige kleine Leuchttürme sind über die gesamte Küstenlinie und die unzähligen Insel verteilt und jeder einzelne ist ein Unikat.

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Als Segler durften wir das Maritime Museum in Bath natürlich nicht verpassen. In dieser schmalen, gut geschützten Bucht wurden vor langer Zeit die größten Holzschiffe gebaut, die in den USA jemals hergestellt wurden. Eindrucksvoll und faszinierend erhielten wir einen Einblick in die maritime Geschichte der Stadt. Auch heute werden in Bath noch Schiffe hergestellt. Einen Einblick in die Arbeiten der Werft erhielt man aber nur im Rahmen einer Trolly- oder Bootstour. Da entschieden wir uns doch lieber für die Bootstour. So etwas macht man ja nicht alle Tage 🙂

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So konnten wir nicht nur die neueste Kriegsschiffgeneration der US Navi bewundern, sondern fuhren auch an den verschiedenen Leuchtfeuern der verzweigten Bucht vorbei und konnten die dort lebenden Fischadler aus der Nähe betrachten.

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Gegen Abend erreichten wir Camden, direkt an der Küste. Im beliebten und recht vollen Hafen lagen mehrere große und schön restaurierte Traditionsschiffe. Mit einem Sandwich machten wir es uns im Park mit Aussicht auf den Hafen gemütlich und genossen die friedliche Abendstimmung.

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Erst gegen neun Uhr erreichten wir unsere Unterkunft. Anscheinend hatte ich meine Buchungsunterlagen nicht gründlich genug studiert. Im Office war auf jeden Fall kein Licht mehr 🙁 Was nun? Wir parkten erst einmal das Auto und gingen trotzdem noch einmal zu Fuß zur Bürotür. Dort fanden wir einen Umschlag, auf dem Katja Henke stand 🙂 Juhu, das war ja nochmal gut gegangen. Unser Zimmer war offen und einer erholsamen Nacht stand nichts mehr im Wege.

Am nächsten Morgen ging es dann direkt und ohne Umwege nach Southwest Harbor. Als wir bei Hinckley eintrafen, machten wir uns neugierig auf die Suche. Wo hatten Sie das gute Stück denn versteckt? Sicher abgestützt stand unsere CESARINA in einer Halle. Rund herum mit Brettern eingerüstet. Der gesamte obere Teil war sorgfältig in einer Schutzfolie verpackt. So konnten wir nicht einmal einen Blick auf das neu überarbeitete Teakdeck werfen :-(. Am Rumpf wurde fleißig geschliffen. Alle Schrammen und Kratzer von unserem Unfall in Kuba waren schon verschwunden, genau wie ein großer Teil der der schönen dunkelblauen Lackierung. Unsere Maschine fanden wir eine Halle weiter, ordentlich neu lackiert und technisch von Grund auf überholt. In der dritten Halle fanden wir auch noch unsere beiden Masten.

Schon an der Verteilung der Einzelteile unserer Cesarina war unmissverständlich klar: das dauert wohl noch ein bisschen :-). Wir waren ja telefonisch schon darauf vorbereitet worden und mussten jetzt ein paar logistische Probleme lösen. Auf dem Boot würden wir in der nächsten Woche bestimmt noch nicht übernachten, also musste eine Unterkunft her. Und ein Auto wäre natürlich auch nicht schlecht. Obwohl im Moment Hochsaison in Maine war, hatten wir innerhalb von 2 Stunden den Vertrag für unseren Mietwagen verlängert und hatten auch für die nächsten drei Nächte ein bezahlbares Dach über dem Kopf. Genauer gesagt hatten wir sogar ein eigenes Häuschen, das aber deutlich kleiner war, als ein normales Hotelzimmer. Dafür hatte es den „Knuddel“-Faktor 🙂

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So stürzten wir uns am Abend noch in das Touristengewimmel von Bar Harbor. Eine Woche klassischer Urlaub lag vor uns. Denn am oder im Boot würden wir in der kommenden Woche nichts machen können, ohne die Arbeiten der Werft massiv zu behindern. Aber an diesem wunderschönen Fleck würde uns schon etwas Passendes einfallen.

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Zeitreise

Unser Hotel lag irgendwo im Nirgendwo, idyllisch an einer Hauptstraße und hatte auch sonst alles, was ein charmantes amerikanische Motel so haben muss. Der erste schäbige Eindruck des Gebäudes von außen, setzte sich nahtlos im Innern fort 🙂 Es gab nicht mal einen Aufzug und wir schleiften unsere 60 Kilo Gepäck mit Begeisterung über den geschmackvollen Teppich aus den70er Jahren. Aber für nur eine Nacht geht ja fast alles. Nur den Abend wollten wir hier nicht unbedingt verbringen.

Nicht weit entfernt hatten wir eine Brauerei gesehen, die auch ein Restaurant dabei hatte. Gemütlich und einladend sah das Ganze aus. So ließen wir den Abend in netter Umgebung gemütlich ausklingen und nach einer Bier-Probe der lokal gebrauten Biere (mit bis zu 11,9 % Alkohol) erschien uns unser Domizil anschließend auch gar nicht mehr so furchtbar.

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Am nächsten Morgen regnete es wie aus Eimern. Etwas unmotiviert begaben wir uns zum Frühstück. Regen war in unseren Rundreiseplänen gar nicht vorgesehen. Aber da es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, ließen wir uns nicht bremsen und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: dem Chanterbury Shaker Village.

Dort angekommen hatte sich der Starkregen in Nieselregen verwandelt und wir begannen unsere Zeitreise. Das Dorf wurde 1792 gegründet und ist dann 200 Jahre lang bewohnt worden. 1992 starb die letzte Bewohnerin. Die Sekte der Shaker hatte sich von den Quäkern abgespalten und lebte ihr Leben im Glauben in strenger Abgeschiedenheit und dem Zölibat, was dann letztendlich zu Ihrem Niedergang führte. Es gab 2009 nur noch eine aktive Shaker-Gemeinde in den USA mit drei Mitgliedern. Ob das heute noch so ist, konnte Wikipeda mir leider nicht verraten.

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Das Dorf ist als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich und man kann viel über das Leben und vor allem über die Handwerkskunst der Shaker erfahren. Wir bekamen einen Einblick in die Buchdruckkunst, die Besenfertigung, die Möbelfabrikation und die Herstellung der bekannten Ovalschachtel. Das Motto „Hands to work and hearts to god“ war allgegenwärtig und hat Dietmar ganz besonders gut gefallen. Die Shaker waren für ihre hohe Handwerkskunst und Perfektion landesweit geschätzt und bekannt.

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Um weiteren Fragen vorzugreifen: ich habe mir keinen neuen Besen zu gelegt, obwohl die mir wirklich gut gefallen haben. Wenn ich nicht grade segele, gehe ich lieber zu Fuß. Fliegen ist nicht so mein Ding. Das sagt zumindest mein Mann.

Am Nachmittag stand noch mehr Geschichte auf dem Programm, denn wir besuchten Portmouth, Amerikas drittälteste Stadt (1623). Endlich waren wir wieder am Meer angekommen 🙂 Das hatte uns ja schon ein bisschen gefehlt.

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Wir besuchten das Strawberry Banke Museum, das auf 4 Hektar Grund viele alte Gebäude zeigt. Hier erhält man einen kleinen Einblick in das Leben aus längst vergangener Zeit. Wir bummelten noch am Hafen und in der Stadt herum. Viele Segler lagen hier vor Anker. Vielleicht würden wir auf dem Weg nach Süden mit der CESARINA hier auch noch einen Zwischenstopp einlegen.

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Wir folgten der Küstenstraße 1 weiter in Richtung Norden. Jetzt waren wir schon wieder in Maine angekommen und in zwei Tagen würden wir zurück bei unserer CESARINA sein. Mal sehen, wie weit die Arbeiten schon fortgeschritten sein würden.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht…..

….dann ist man vielleicht in Vermont in den Green Mountains gelandet. Im Winter sind sie ein beliebtes Ski-Revier und unser Motel passte mit seinem riesigen Kamin und den gemütlichen Erdtönen auch besser in die dunkle Jahreszeit :-).

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Alles war hier wohl schon etwas in die Jahre gekommen 🙂 Ins „Schöner Wohnen“-Magazin würde es diese Unterkunft sicher nicht schaffen, aber irgendwie war sie auch schon wieder charmant.

Heute mussten wir nur wenige Meilen bis zur nächsten Unterkunft zurücklegen und hatten viel Zeit, die Umgebung zu erkunden. Zuerst fuhren wir zum „Quechee Gorge“, einer beeindruckenden Felsschlucht, über die eine über einhundert Jahre alte Metallbrücke führte. Auf der Suche nach der optimalen Foto-Perspektive wanderten wir an dem Fluss bis zu einem Staudamm entlang. Aber wie so oft im Wald war die Aussicht irgendwie durch Bäume versperrt. Unverrichteter Dinge zogen wir guten Mutes weiter 🙂

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Am Straßenrand hatten wir ein Schild des „Vermont National Institut of Natural Science“ entdeckt. Mal sehen, was es dort zu sehen gab. Wir kamen genau im richtigen Moment, denn keine zehn Minuten später begann die Singvogelfütterung und im Anschluss kamen die Raubvögel dran. Hier drehte sich also alles um Vögel 🙂 In der großen Tierklinik kümmert man sich um die Pflege von verletzten Wildvögeln und eine Aufzuchtstation gibt es dort auch. Die Tiere, die nicht wieder zurück in die freie Wildbahn entlassen werden können, bleiben hier und werden gut gepflegt. Ein spannendes und sinnvolles Projekt.

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Nach gut zwei Stunden hatten wir dann aber doch genug gesehen und fuhren weiter durch das malerische Städtchen Woodstock auf der Panoramastrasse 100. Idyllisch schlängelte sich die schmale Straße durch die dichten Wälder. In Rochester fanden wir das erste Mal seit langem ein Café nach unserem Geschmack: Sandy´s Books and Bakery. Hier gab es sogar echtes Geschirr und Besteck aus Metall! Im gemütlichen Buchladen und auf der Terrasse war auch kaum mehr als ein Plätzchen frei. Gestärkt fuhren wir weiter in Richtung Norden. Im Waterbury wollten wir noch einen Stopp bei Ben & Jerrys Ice Cream Factory machen. Schon der riesige Parkplatz, der recht gut gefüllt war, machte uns misstrauisch und als dann klar war, dass die nächste Führung erst in einer Stunde beginnen würde, suchten wir schnell das Weite. So spannend war Eiscreme dann nun auch wieder nicht.

Alternativ lernten wir etwas über Ahornsirup :-), den man in Vermont an jeder Ecke auf den Maple Farmen kaufen kann. Eigentlich ist die Gewinnung ganz einfach. Man bohrt ein Loch in den Ahornbaum, steckt einen Schlauch hinein und zieht dann ein Vakuum. Der frisch gezapfte Rohsirup wird dann durch Umkehrosmose noch weiter konzentriert und fertig ist ein weiteres Lieblingsnahrungsmittel der Amerikaner. Im Souvenirshop der Farm gab es dann auch Ahornsirup in den unterschiedlichsten Formen und Farben 🙂 Wir versuchten nur das Ahorn-Eis, das wirklich lecker schmeckte.

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Unsere nächste Unterkunft lag schon in den White Mountains in Lincoln, einer kleinen Stadt am Kancamagus Highway. Diesmal keine Winterromantik, sondern eher solider Holzfäller Charme 🙂 Eigentlich sehr nett, wenn es ein einstöckiges Gebäude gewesen wären. Im Zimmer über uns trainierte eine ganze Familie wohl für die Wanderung am nächsten Morgen. Den ganzen Abend trampelte jemand geräuschvoll durch das Zimmer. Das konnte ja noch eine lustige Nacht werden ;-).

Wie so oft, war es dann aber doch ruhiger als erwartet und wir brachen am nächsten Morgen frisch und ausgeschlafen noch vor acht Uhr auf, um vor der Mittagshitze eine Wanderung im Franconia Notch State Park zu unternehmen.

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Besonders bekannt ist hier die Flume Georg, eine steile Felsklamm, die an einem schönen Wasserfall endet. Über die typischen überdachten Brücken und vorbei an einem klaren Bergsee war es eine schöne und entspannte Runde von zwei Stunden.

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Auch wilde Tiere kreuzten unseren Weg. Aber nicht die von uns gewünschten Elche oder auch Bären. Nur Eich- und Streifenhörnchen 🙂 waren mit von der Partie.

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Wir folgten mit dem Auto dem Kancamagus-Highway über den gleichnamigen Pass mit seiner beeindruckenden Aussicht. Endlich konnte man mal etwas von den riesigen Wäldern sehen :-), Am Nachmittag besuchten wir noch Bretton Wood. An diesem geschichtsträchtigen Ort tagten nach dem zweiten Weltkrieg die Vereinigten Nationen und gründeten den Internationalen Währungsfonds. Tagungsort war das Omi Mount Washington Hotel, das sich immer noch imposant und riesig von der sonst grünen Kulisse abhebt.

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Auf unserem weiteren Weg zum nächsten Motel überkam uns der Hunger. So fuhren wir auf den Parkplatz eines Imbissladens. Während wir noch überlegten, ob das wohl das Restaurant unserer Wahl sein würde, bewegte sich etwas im Wald hinter dem Müllcontainer. Zwei kleine Bären saßen unter den Bäumen. Völlig perplex wie wir in dem Moment waren, hatten wir natürlich keine Kamera griffbereit. Bis wir soweit waren, begannen sich die beiden Bären lautstark zu streiten und waren sogleich auch hintereinander her jagend im Wald verschwunden. Auch ohne Fotos war es aber ein unvergessliches Erlebnis und seit diesem Zeitpunkt wird die nähere Umgebung jedes Müllcontainers einer sorgfältigen Prüfung unterzogen.

Cesarinas Refit – oder bald ist Weihnachten

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Was muss meine Frau bloß alles mit mir ertragen? Es liegt in meiner Natur, dass ich schöne Dinge an denen mir etwas liegt, noch etwas schöner und perfekter machen möchte. So auch meine CESARINA! Vor gut 6 Wochen habe ich unsere Cesarina den Mitarbeitern der HINCKLEY Werft überlassen und mich dann nach Deutschland zu einem ausgiebigen Heimaturlaub verzogen. Die zu erledigenden Umbauten, Reparaturen und Ideen wurden als Ergebnis von vielen Besprechungen in einem langen Protokoll dokumentiert. Mit dem Gefühl im Gepäck, zumindest die wichtigsten Punkte abgehakt zu haben, ging es dann Heim nach Leverkusen.

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Jetzt sind es nur noch 3 Tage bis zu unserem Wiedersehen bei Hinckley. Unser Schätzchen wird dann aber noch für eine gute Woche in der Lackierhalle stehen und auf Ihr neues Lackkleid warten. Mann, was bin ich aufgeregt. Die Lackierung wird aufwändiger als üblich sein, denn auch hier habe ich ein paar spezielle Wünsche in Auftrag geben dürfen. Das Ergebnis soll schlicht umwerfend werden….. Mehr verrate ich noch nicht an dieser Stelle 🙂 Das Ergebnis sollte dann am besten einfach für sich selbst sprechen.

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Es ist ja nicht so, dass wir während der letzten Wochen nicht auf Stand gewesen wären. Ab und zu haben wir schon aktuelle Bilder aus Maine bekommen. Natürlich hätte ich mir tägliche Updates gewünscht, aber ich glaube, dass meine fast täglichen Mails mit Änderungs- und Sonderwünschen sowieso schon nervig genug für den Projektmanager gewesen sind. Ein ganz besonderes Highlight war die Überarbeitung des Teakdecks. 1000 Meter Dichtungsmasse mussten aus dem Deck entfernt werden und danach wieder neu vergossen und geschliffen werden. Was für eine WahnsinnsaRbeit! Ich denke, dass die besten Leute von Hinckley diesen Job bei uns ausgeführt haben. Das Ergebnis sieht auf den Bildern schon grandios aus.

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So sehr ich mich gefreut habe, dass die Männer von Hinckley die in meinen Augen fast unmöglich zu lösende Aufgabe hinbekommen haben, die Maschine aus dem Schiff zu holen, war es doch ein sehr befremdliches Gefühl, den Diesel dann am Haken des Kranes zu sehen. Die Maschine soll ebenfalls komplett überholt und anschließend neu lackiert werden. In dem Zusammenhang wird auch gleich die Bilge neu lackiert und eine neue Dieselfilteranlage installiert. Die Maschine ist ja schließlich unsere Lebensversicherung und muss unbedingt funktionieren, wenn es darauf ankommt.

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So ganz nebenbei wurde auch der alte Lack vom Setzbord (engl. „toe rail“) abgezogen und wird in 12 neuen Lackschichten wieder neu aufgebaut. Die anderen Deckaufbauten werde ich dann später selber neu lackieren.  Dafür habe ich eine professionelle Schleifmaschine aus Deutschland mitgebracht  und werde selber den Pinsel schwingen. Etwas Übung habe ich ja schon sammeln können in den letzten Monaten 🙂

Somit bleibt die Spannung  wohl noch ein wenig erhalten, wie das finale Ergebnis wohl aussehen wird. Für mich ist die Zeit wie Weihnachten. Die Vorfreude ist wie immer die schönste Freude. Und eines ist sicher: CESARINA hat es sich sicherlich verdient! Eigentlich  ist sie viel zu schade, um sie danach noch durch die rauhe See zu steuern. Aber schließlich wurde sie doch genau zu diesem Zweck gebaut. Wir werden sie gut behüten und auf sie aufpassen. Genauso wie sie immer auf uns gut aufpassen wird 🙂

Jetzt geht es rund :-)

Unser Flug nach Boston war für Freitagvormittag um halb elf geplant. Sicherheitshalber waren wir schon kurz vor acht Uhr am Flughafen. Wir brauchten ja noch etwas mehr Zeit, um noch ordentlich zu Frühstücken . In unserer Wohnung  war nichts Nahrhaftes mehr zu finden, da im blitzsauberen und abgeschalteten Kühlschrank natürlich schon gähnende Leere herrschte.

Leider war unser Check-in Schalter noch nicht geöffnet und wir mussten unser 60 Kilo schweres Gepäck mit zum Frühstückstisch nehmen. Das Handgepäck war in der Gewichtsmenge noch nicht mit eingerechnet und brachte bestimmt auch noch einmal zusätzlich 25 Kilo auf die Waage 🙂 Gut, dass es Gepäckwagen gibt 🙂  Segler reisen halt fast immer mit merkwürdigem Gepäck und wir waren sehr froh, dass Condor in der Economie Premium bis 32 Kilo Freigepäck erlaubt.

Gestärkt mit Kaffee und belegten Brötchen stellten wir uns um halb neun in die Schlage vor den Schalter. Unser erster Flug ging nach Manchester UK und von dort aus weiter nach Boston/USA. Irgendwie war heute aber der Wurm drin und die junge Dame verzweifelte schier an unserer Buchung. Es begann schon mit der Gepäckmenge, dann konnte sie uns keinen Sitzplatz zuweisen und durchbuchen bis nach Boston ging gar nicht. Nach einer Viertelstunde quittierte dann auch ihr Computer den Dienst. So wurden wir an ihre Kollegin weitergereicht. Die Schlange hinter uns wurde immer länger, aber nach fast 30 Minuten war es dann vollbracht. Wir hatten unser Ticket für den ersten Flug in der Hand und das Gepäck sind wir auch los geworden.

Die weitere Reise verlief ohne bemerkenswerte Ereignisse und wir landeten wie geplant am Nachmittag in Boston. Hier nahmen wir dann unseren Mietwagen entgegen, nachdem wir mit unserem Gepäck gefühlt durch den ganzen Flughafen gezogen und zu guter letzt auch noch Bus gefahren sind.

Langsam quälten wir uns mit dem Freitagnachmittagsverkehr in Richtung Westen und hinaus aus der Stadt. In der Gegend von Springfield verließen wir den Highway, um uns an der kleineren Staatsstrasse ein Hotel zu suchen. Für diese Nacht hatte ich noch keine Unterkunft im Voraus gebucht, da ich nicht einschätzen konnte, wann wir im dem Auto loskommen würden und wann uns die Müdigkeit einholen würde. So mussten wir feststellen, dass genau an diesem Wochenende in der Region eine große Fahrradveranstaltung mit 5000 Teilnehmern statt fand. Alle Motels, die wir ansteuerten, waren schon ausgebucht. So fuhren wir immer weiter und irgendwann war es uns auch egal, wie das Motel von aussen aussah. Ein Bett musste her, aber dalli.  Gegen halb zehn ( in Deutschland war es schon morgens um halb vier) fanden wir endlich ein Zimmer und fielen totmüde ins Bett.

Dank des Jetlags waren wir am nächsten Morgen schon wieder früh unterwegs. Nach einem ausgiebigen Frühstück bei McDonalds trödelten wir gemächlich unsem Ziel, den Niagarafällen entgegen. Das Wetter war herrlich und die Landschaft rechts und links der Strasse war grün und üppig. Kleine Dörfer mit den typischen amerikanischen Holzhäusern säumten die Strasse. Nach der Mittgaspause mußten wir aber ein etwas anderes Tempo vorlegen, da wir ja noch am Nachmittag in Buffalo in unserem Hotel ankommen wollten. Dort gönnten wir uns erstmal eine Mütze voll Schlaf, bis wir dann zu den berühmten Wasserfällen aufbrachen. Mit viel Grück erwischten wir einen Parkplatz direkt vor dem Besucherzentrum. Rund um den Niagara-Fall-State-Park war die Hölle los. Wir ließen uns einfach mit dem Strom treiben und landeten so an der ersten Aussichtsplattform. Was für ein Schauspiel 🙂 Gut, dass Dietmar mittlerweile auch unter die Fotografen gegangen ist. Das macht ihn doch viel geduldiger. So ein schönes Motiv bekommt man ja nicht alle Tage vor die Linse.

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Heute blieben wir wie geplant auf der amerikanischen Seite und klapperten alle Aussichtsplätze bis zum Horseshoe-Fall ab. Vor allen besonderen und extra zu bezahltenden Attraktionen hatten sich lange Schlangen gebildet.  Daher entschieden wir uns, dass wir weder mit dem Boot noch zu Fuss so nah an die Fälle heran kommen wollten, bis wir unweigerlich bis auf die Haut durchnässt sein würden.

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Wasser haben wir ja als Segler oft genug im Leben, da konnten wir heute auch einmal gut darauf verzichten.

Nach einem spektakulären Sonnenuntergang warteten wir noch auf die Dunkelheit, um die Fälle auch beleutet zu bewundern. Da waren wir nicht die Einzigen und es ging fast noch gedrängter zu als am Tage. Aber das Schauspiel war es wirklich wert.

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Nach einer erholsamen Nacht in unserem tollen Hotel brachen wir extra früh auf, um über die kanadische Grenze auf die andere Seite der Niagara-Fälle zu kommen. Dort wollten wir uns von Skyton, dem 250 Meter hohen Aussichtturm, einen Überblick über die gewaltigen Wasserfälle verschaffen. Früh am Morgen lagen die anderen Touristen wohl noch friedlich in ihren Betten und wir waren die ersten, die am Aussichtsturm ankamen. Dort mussten wir zwar dann nicht Schlange stehen, aber doch warten, dieser um acht Uhr die Türen endlich geöffnet wurden. Die Fahrstühle werden aussen am Turm in die Höhe gezogen. Hätte ich das mal vorher gewusst! Das war nichts für meine Nerven. Während Dietmar die Aussicht genoss, suchte ich mir schnell ein vermeindlich sicheres Plätzchen an der Rückseite in der Kabine. Oben angekommen und mit festen Boden unter den Füssen konnte ich die Aussicht aber auch geniessen :-).

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Das Frühstück, das ich Dietmar versprochen hatte, konnten wir aber nicht wie gedacht in luftiger Höhe auf dem Aussichtsturm verputzen. Das Restaurant öffnete erst um halb elf. So lange wollten wir dann hier oben doch nicht ausharren, und fanden in einer Passage eine wunderbare Alternative: The Famous, ein Restaurant der Superlative. Schon allein die vier riesigen, dicken Toastscheiben wären ein ausreichendes Frühstück gewesen. Aber sie waren nur die Beilage zu dem Omlette, das auch noch mit Bratkartoffeln serviert wurde. Obwohl alles wirklich sehr lecker war, schafften wir unsere Portion nicht. Da mussten wir einfach die Daumen drücken, dass das Wetter morgen trotzdem gut bleiben würde, trotz nicht leer gegessener Teller.

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Wir spazierten noch einmal auf kanadischer Seite an den Fällen vorbei und waren irgendwann der Meinung, dass wir genug gesehen hatten. Zurück in Amerika machten wir noch einen Abstecher zu dem „Wirlpool“, einer Haarnadelkehre des Flusses mit beeindruckenden Strudeln und Wasserwalzen.

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Heute lag noch eine recht weite Stecke vor uns, bis wir unser nächstes Quartier in Killington in den Green Mountains erreichen würden. Aber abwechselnd fahrend und schlafen kamen wir schnell und sicher ans Ziel. Die Landschaft hatte sich vollkommen verändert und wir fuhren schon seit einiger Zeit durch tiefe, grüne Wälder. Unser Hotel lang in Vermont am Rande eines grossen Wintersportgebietes und stammte eindeutig aus einer anderen Zeit.

Etwas weiter der Strasse entlang fanden wir das Restaurant mit den besten Grillrippchen der Welt, geführt von einer Polin :-). Wieder zeigte sich, dass wir den amerikanischen Portionen nicht gewachsen waren. Als die Bedienung uns noch einen Nachtisch anbot, konnten wir nur noch müde lächeln. Für den war wirklich absolut kein Platz mehr. Mehr vollgefressen als satt fuhren wir zurück ins Hotel.