Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht…..

….dann ist man vielleicht in Vermont in den Green Mountains gelandet. Im Winter sind sie ein beliebtes Ski-Revier und unser Motel passte mit seinem riesigen Kamin und den gemütlichen Erdtönen auch besser in die dunkle Jahreszeit :-).

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Alles war hier wohl schon etwas in die Jahre gekommen 🙂 Ins „Schöner Wohnen“-Magazin würde es diese Unterkunft sicher nicht schaffen, aber irgendwie war sie auch schon wieder charmant.

Heute mussten wir nur wenige Meilen bis zur nächsten Unterkunft zurücklegen und hatten viel Zeit, die Umgebung zu erkunden. Zuerst fuhren wir zum „Quechee Gorge“, einer beeindruckenden Felsschlucht, über die eine über einhundert Jahre alte Metallbrücke führte. Auf der Suche nach der optimalen Foto-Perspektive wanderten wir an dem Fluss bis zu einem Staudamm entlang. Aber wie so oft im Wald war die Aussicht irgendwie durch Bäume versperrt. Unverrichteter Dinge zogen wir guten Mutes weiter 🙂

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Am Straßenrand hatten wir ein Schild des „Vermont National Institut of Natural Science“ entdeckt. Mal sehen, was es dort zu sehen gab. Wir kamen genau im richtigen Moment, denn keine zehn Minuten später begann die Singvogelfütterung und im Anschluss kamen die Raubvögel dran. Hier drehte sich also alles um Vögel 🙂 In der großen Tierklinik kümmert man sich um die Pflege von verletzten Wildvögeln und eine Aufzuchtstation gibt es dort auch. Die Tiere, die nicht wieder zurück in die freie Wildbahn entlassen werden können, bleiben hier und werden gut gepflegt. Ein spannendes und sinnvolles Projekt.

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Nach gut zwei Stunden hatten wir dann aber doch genug gesehen und fuhren weiter durch das malerische Städtchen Woodstock auf der Panoramastrasse 100. Idyllisch schlängelte sich die schmale Straße durch die dichten Wälder. In Rochester fanden wir das erste Mal seit langem ein Café nach unserem Geschmack: Sandy´s Books and Bakery. Hier gab es sogar echtes Geschirr und Besteck aus Metall! Im gemütlichen Buchladen und auf der Terrasse war auch kaum mehr als ein Plätzchen frei. Gestärkt fuhren wir weiter in Richtung Norden. Im Waterbury wollten wir noch einen Stopp bei Ben & Jerrys Ice Cream Factory machen. Schon der riesige Parkplatz, der recht gut gefüllt war, machte uns misstrauisch und als dann klar war, dass die nächste Führung erst in einer Stunde beginnen würde, suchten wir schnell das Weite. So spannend war Eiscreme dann nun auch wieder nicht.

Alternativ lernten wir etwas über Ahornsirup :-), den man in Vermont an jeder Ecke auf den Maple Farmen kaufen kann. Eigentlich ist die Gewinnung ganz einfach. Man bohrt ein Loch in den Ahornbaum, steckt einen Schlauch hinein und zieht dann ein Vakuum. Der frisch gezapfte Rohsirup wird dann durch Umkehrosmose noch weiter konzentriert und fertig ist ein weiteres Lieblingsnahrungsmittel der Amerikaner. Im Souvenirshop der Farm gab es dann auch Ahornsirup in den unterschiedlichsten Formen und Farben 🙂 Wir versuchten nur das Ahorn-Eis, das wirklich lecker schmeckte.

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Unsere nächste Unterkunft lag schon in den White Mountains in Lincoln, einer kleinen Stadt am Kancamagus Highway. Diesmal keine Winterromantik, sondern eher solider Holzfäller Charme 🙂 Eigentlich sehr nett, wenn es ein einstöckiges Gebäude gewesen wären. Im Zimmer über uns trainierte eine ganze Familie wohl für die Wanderung am nächsten Morgen. Den ganzen Abend trampelte jemand geräuschvoll durch das Zimmer. Das konnte ja noch eine lustige Nacht werden ;-).

Wie so oft, war es dann aber doch ruhiger als erwartet und wir brachen am nächsten Morgen frisch und ausgeschlafen noch vor acht Uhr auf, um vor der Mittagshitze eine Wanderung im Franconia Notch State Park zu unternehmen.

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Besonders bekannt ist hier die Flume Georg, eine steile Felsklamm, die an einem schönen Wasserfall endet. Über die typischen überdachten Brücken und vorbei an einem klaren Bergsee war es eine schöne und entspannte Runde von zwei Stunden.

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Auch wilde Tiere kreuzten unseren Weg. Aber nicht die von uns gewünschten Elche oder auch Bären. Nur Eich- und Streifenhörnchen 🙂 waren mit von der Partie.

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Wir folgten mit dem Auto dem Kancamagus-Highway über den gleichnamigen Pass mit seiner beeindruckenden Aussicht. Endlich konnte man mal etwas von den riesigen Wäldern sehen :-), Am Nachmittag besuchten wir noch Bretton Wood. An diesem geschichtsträchtigen Ort tagten nach dem zweiten Weltkrieg die Vereinigten Nationen und gründeten den Internationalen Währungsfonds. Tagungsort war das Omi Mount Washington Hotel, das sich immer noch imposant und riesig von der sonst grünen Kulisse abhebt.

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Auf unserem weiteren Weg zum nächsten Motel überkam uns der Hunger. So fuhren wir auf den Parkplatz eines Imbissladens. Während wir noch überlegten, ob das wohl das Restaurant unserer Wahl sein würde, bewegte sich etwas im Wald hinter dem Müllcontainer. Zwei kleine Bären saßen unter den Bäumen. Völlig perplex wie wir in dem Moment waren, hatten wir natürlich keine Kamera griffbereit. Bis wir soweit waren, begannen sich die beiden Bären lautstark zu streiten und waren sogleich auch hintereinander her jagend im Wald verschwunden. Auch ohne Fotos war es aber ein unvergessliches Erlebnis und seit diesem Zeitpunkt wird die nähere Umgebung jedes Müllcontainers einer sorgfältigen Prüfung unterzogen.

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