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Über Dietmar Henke

Dietmar

Viva Columbia….oder ein echt windiges Vergnügen

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Uwe und mir war von vornherein klar, dass die Reise nach Santa Marta eine Bewährungsprobe werden würde. Kurz vor Santa Marta kam es dann aber richtig dicke für uns als wir das Kap im Norden des Landes passiert hatten. Der Wind nahm von 30 Knoten auf heftige 40-50 Knoten schlagartig zu. Wir haben das Vorsegel schnell eingerollt und sind nur mit dem Großsegel im zweiten Reff in 3-4 Meter hohen konfusen Wellen unserem Ziel entgegen gerauscht. Ich hatte wirklich alle Schwierigkeiten CESARINA auf Kurs zu halten und die heftigen Böen von bis zu 50 Knoten auszusteuern. Irgendwann hatten wir dann aber die Bucht vor Santa Marta erreicht und beschlossen, den Anker vor der Marina zu werfen, und in Ruhe zu überlegen, wie wir weitermachen würden.

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Es sah schon gruselig aus zu sehen, mit welcher Gewalt der starke Wind die Yachten an den Klampen und Leinen der Stege reißen ließ. Immer wieder zeigte unsere Windanzeige einen Wert von 46 Knoten an! Wir checkten die Wettervorhersage und sahen, dass es die nächsten Tage nicht besser sondern eher schlechter werden sollte. Also gab es keine andere Wahl. Wir mussten da rein!

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Nachdem wir 15 Minuten im Hafenbecken gekreist sind, bekamen wir unseren Liegeplatz am Ende von Steg E zugewiesen. Jetzt ging es um die Wurst! Rückwärts gegen den Wind in die Box und dann auch noch kurz vor der Steinmauer am Ende des Beckens. Es war mir klar, dass ich nur einen einzigen Versuch haben würde, CESARINA in die Lücke zu manövrieren. Andererseits hätte uns der Wind sehr bedrohlich werden können.

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Also positionierte ich das Schiff in einem Winkel von 70 Grad vor der Box und gab dann Vollgas zurück. Der sogenannte Radeffekt zog das Heck dann mit dem Heck elegant und perfekt nach Backbord in einem Bogen in die Lücke hinein. Nach 2 Minuten lag CESARINA dann seitlich an dem Steg und Uwe meisterte perfekt seinen Job, die Festmacherleinen an den richtigen Stellen zu positionieren. Am Steg warteten bereits mehrere Freunde und der Dockmaster. Die meisten schienen beeindruckt gewesen zu sein (glaube ich), wie souverän und ruhig das Manöver abgelaufen war. Diese Herausforderung hatten wir also auch gemeistert.

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Am Abend gab es dann mächtig was zu trinken und wir feierten unseren ersten gemeinsam und erfolgreichen Törn. So kann es gern bis nach Australien weitergehen. Am Mittwoch den 18. Januar soll es dann weiter gehen in Richtung Panama!

30 KG geballte Weiblichkeit und Bratkartoffeln über Bande

Es war ein ungewöhnlicher Montag Nachmittag. Solch ein lautes Geschrei hatte ich bisher von meiner Angelrolle auch noch nicht gehört als sich scheinbar etwas ziemlich Großes an dem Schleppköder verbissen hatte. Nur fünf Hechtsprünge aus dem Cockpit zum Heck waren nötig bis ich die Angelrute erreicht hatte ,um die Bremse etwas anzuziehen damit der Fisch am anderen Ende nicht mehr so viele Meter Schnur von der Rolle ziehen konnte. Eines war klar, es hing ein richtig kapitaler Kamerad am Haken und wehrte sich mit Leibeskräften dagegen an Bord der CESARINA kommen zu müssen. Die Spannung wuchs und Uwe hatte die Kamera im Anschlag, um die ganze Aktion zu filmen. Nach ca. 30 Minuten Drill und mächtig müden Armen von dem ständigen gegenhalten hoffte ich, dass sich ein grün-gelber Schatten an der Wasseroberfläche zeigen würde. Ich war fest davon überzeugt, dass der Mahi Mahi riesig sein musste. Zu meiner großen Verwunderung zeigten sich aber bald ein paar dunkle und lange Flossen, deren Bewegungen majestätisch und sehr elegant waren. Ab und zu spiegelte sich in dem tiefen Blau des Atlantiks ein dunkler langer Schatten mit grünen und silber-blauen Tupfern. Wenig später sahen wir zwei große Augen und eine sehr große dreieckige Rückenflosse. Jetzt war klar, dass es sich bei dem schönen Tier um einen Blue Marlin handelte, der die Krönung für einen Hochseeangler bedeutet. Schon jetzt war klar, dass diese edle Kreatur keinesfalls in unserem Kochtopf enden würde. Viel zu groß und viel zu edel, um so aus dem Leben zu scheiden. Bei dem Kampfgeist und der Ausdauer des Marlins kam ich zum dem Erebnis, dass es sich um ein weibliches Exemplar handeln musste. Als ich die Dame dann über das Deck gehoben hatte, sahen wir erst so richtig die Dimensionen.Sie war ca. 1,50m lang und hatte ein Gewicht von rund 30 KG. Wenig später verabschiedete sie sich sichlich müde zurück in die Tiefe des Meeres. Dabei wollte ich uns doch nur einen kleinen Fisch zum Abendbrot fangen.

Uwe hat immer das große Glück, dass CESARINA genau dann beginnt Bocksprünge zu machen wenn er sich in die Pantry zum Kochen begeben hat. Heute standen Bratkartoffeln mit Rührei auf dem Programm, was an sich ja schon eine Herausforderung an sich sein kann wenn alles rings um einen herum wild schaukelt und tanzt. Beim Schneiden der Kartoffeln ist es dann passiert. Eine kräftige Welle von der Seite, ein kleiner Ausfallschritt zur Seite und schon rumste sein Kopf erst links und dann frontal wie eine Billardkugel gegen die Wand. Nicht so schlimm weil alle Ecken und Kanten rund sind aber trotzdem nicht gerade angenehm. Nachdem der erste Schreck verflogen war, servierte er später „Bratkartoffeln über Bande“. Wohl bekommt`s 🙂

Mittlerweile sind wir nördlich an der ABC Inseln vorbei gesegelt und werden in 46 Seemeilen die Nordspitze von Kolumbien erreicht haben. Gegen Morgen Nachmittag werden wir dann in die Marina von Santa Marta einlaufen. Vorausgesetzt natürlich, dass der Wind uns wohl gesonnen bleibt. Bin schon sehr gespannt, was uns dort so alles erwarten wird.

Achterbahn par Excellence mit Bratkatoffeln

Um 10:45 hieß es dann endlich „Mittelspring los“ und CESARINA gleitete aus ihrer Box am Steg J der Rodney Bay Marina ins Hafenbecken hinein. Unser Freund Wolfgang aus Regensburg, der auf seiner Reise von Venezuela nach St. Lucia völlig unerwartet den Mast verloren hatte, winkte uns noch so lange hinterher, bis wir den schmalen Kanal zur Rodney Bay erreicht hatten. Für unseren „Commodore“, wie wir ihn freundschaftlich genannt haben, war es sichtlich traurig, uns ziehen zu sehen und für uns ein Hochgefühl, den Hafen nach fünf Wochen Aufenthalt verlassen zu dürfen. Heute um 12:00 sollte das Abenteuer „World ARC Rallye 2017“ per Startschuss endlich beginnen.

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Pünktlich um 12:00 steuerte Uwe unsere CESARINA über die Linie nach Süden in Richtung Castries, der Hauptstadt von St. Lucia. Hinter Castries galt es noch eine weitere Linie zu passieren, bevor dann alle 27 Yachten der Flotte ihren direkten Kurs von 280° auf Santa Marta, Kolumbien anlegten. Bei Castries warteten eine Horde von Booten mit dem Team vom World Cruising Club und Fotografen, um die Flotte zu verabschieden und auf die Reise zu schicken. Während wir mit ausgebaumter Genua auf Steuerbord und festgesetztem Großsegel an Backbord mit 7-8 Knoten gen Kolumbien rauschten, packt das Team des World Cruising Clubs schon die Koffer für den Flug nach Santa Marta. Ein wichtiger Teil der Rallye ist, dass an jedem der Treffpunkte rund um die Welt, Mitarbeiter der World ARC die Floote betreuen und uns z.B. bei Behördengängen, Liegeplätzen, Ausflügen, Organisation usw. unterstützen.

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Gegen Abend meldete sich dann bei uns der Hunger. Jetzt schlug die Stunde von Uwe. Bis jetzt saß er offensichtlich mächtig beeindruckt von den vielen Leinen, Winschen, der ganzen Technik und der gewaltigen See mit ihren hohen Wellen auf seinem Platz im Cockpit. Er segelt auf seiner 43 Fuß Yacht seit vielen Jahren meist auf der Ostsee, aber diese Nummer hier auf dem Atlantik ist doch schon eine ganz andere Liga. Uwe hatte schon am Abend zuvor Kartoffeln gekocht, die er unter Einsatz all seiner Kräfte in der Pantry zu sehr leckeren Bratkartoffeln verarbeitete. In der Hitze unter Deck und der extrem heftig schaukelndem Schiff war das sicherlich keine leichte Aufgabe. Es war für den Anfang wohl doch etwas zu viel für ihn, denn die Kartoffeln durfte ich allein genießen. Der Hunger war ihm jedenfalls vergangen 🙂 Was bin ich froh, einen guten Koch an Bord zu haben.

Nach der allabendlichen Funkrunde um 18:00 auf Kurzwelle verabschiedeten sich alle Besatzungen mit einem Gruß und guten Wünschen in die Nacht. Die erste Wache sollte Uwe übernehmen, da ich von der ganzen Arbeit auf dem Vorschiff immer noch etwas geschafft und müde war. CESARINA war ausgezeichnet eingestellt und lief zufrieden durch die See. Störungen waren nicht zu erwarten und nach einem kurzen Briefing, legte ich mich um 19:30 in die Koje zum Schlafen. Uwe hatte alles im Griff und weckte mich um 01:00 zur Wachablösung. Er hatte seine erste Nacht allein im Cockpit scheinbar sehr genossen. Ein gute Voraussetzung für die nächsten gemeinsamen Monate auf unserem Weg nach Australien. Für mich ist ein gutes Gefühl, einen Freund an Bord zu haben, dem ich meine CESARINA anvertrauen kann und der sie vor allem auch zu schätzen weiß, so wie ich es tun.

So kann es gern weiter gehen! In ca. fünf Tagen werden wir in Santa Marta ankommen und uns auf einige interessante Entdeckungstouren freuen. Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass sich heute ein dicker Fisch den Köder samt Schnur geschnappt hat. Die 1,2mm starke Nylonleine hat er einfach durchgebissen. Uwe konnte es gar nicht glauben als er die Fetzen gesehen hat. Er sagte nur immer wieder, dass ihm seine Freunde aus der Flensburger Förde das nicht glauben würden. Willkommen in der Abteilung „Hochseesegeln“ !

„Herr Kaleun: Melde gehorsamst, Boot ist klar zum Auslaufen „

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Einer der größten Filme in der Geschichte des deutschen Kinos ist für mich unbestritten „DAS BOOT“. Seitdem Uwe an Bord ist und in der Suite im Vorschiff sein Quartier bezogen hat, hat sich auch der Umgangston geändert. Die Schiffsführung wird respektvoll mit „Herr Kaleun (Kapitäns Leutnant) und die Besatzung mit „1 WO“ (Erster Wachoffizier) angesprochen. Ebenso wird an Bord zu jeder Gelegenheit salutiert 🙂 Wir sind beide große Fans und haben den Film so oft gesehen, dass die meisten Szenen fast synchron mitgesprochen werden können. Es fühlt sich einfach alles gut an 🙂

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Die Stimmung an Bord ist gut und die Truppe ist gut gerüstet für den ersten Törn nach Santa Marta/Kolumbien. Die Mannschaft ist voll motiviert bei der Schiffspflege und in der Kombüse.  Am kommenden Samstag um 12:00 (UTC -4) wird die Rallye „Around the World“ gestartet. Natürlich sind wir alle aufgeregt und schon voller Vorfreude. Aber bei uns an Bord herrscht auch soviel Ordnung, dass wir wahrscheinlich eines der ganz wenigen Schiffe sind, dass 2 Tage vor Start vollständig abfahrtsbereit ist. Das bedeutet, dass der Kühlschrank sowie die Diesel- und Wassertanks gefüllt sind, die Wäsche frisch gewaschen in den Schränken liegt, die Batterien geladen sind und auch überall sonst „klar Schiff ist.

Seit heute funktioniert auch der Satellitentracker und somit kann auf der Website der World ARC http://www.worldcruising.com/world_arc/world_arc/eventfleetviewer.aspx auch ständig unsere aktuelle Position verfolgt werden. Emails werden wir auf See mit unserer Kurzwellen-Funkanlage verschicken und erhalten. Die Adresse ist: DHKG@sailmail.com  Es gehen aber nur Textnachrichten und keine Bilder oder Anhänge.

Morgen am Freitag gibt es noch die letzten Infos beim sogenannten Skipper-Briefing. Dort werden Wetterinformationen, Funkfrequenzen und allgemeine Hinweise ausgetauscht. Dann heißt es aber endlich: Leinen los und „fair Winds“. Das Abenteuer kann beginnen 🙂

 

Glücksgefühle, Lack und Kekse oder eine Ode an die Freude

 

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In dem Moment als „Friend“ und „Jerry“ bei uns am Steg auftauchten und sich als Experten in Lackierarbeiten präsentierten, war ich den Beiden gegenüber zunächst relativ misstrauisch eingestellt. So viele Leute fragen nach Jobs, die sie am Schiff erledigen wollen und jeder ist DER Experte in seinem Fach. Welch einen Glücksgriff ich mit den Beiden gemacht habe, zeigt sich jeden Tag immer ein Stückchen mehr. Zuverlässig, sehr gründlich und gewissenhaft, dazu mit vielen Jahren Expertise und einem Empfehlungsschreiben von dem Eigner Tim und seinem Bootsmann der britischen Yacht „Braveheart of Sark“. Einem Schiff wie Cesarina, nur 25 Jahre jünger und 72 Fuß lang.

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Die Lackierarbeiten gehen gut voran. Nach jeder neu aufgebrachten Schicht mit Hochglanz-Klarlack wird alles wieder angeschliffen und somit die Lackoberfläche geöffnet, bevor die nächste Schicht mit dem Pinsel aufgebracht wird. Das ganze Prozedere wiederholt sich dann bis zu 10x. In vielen Bereichen kann man schon sehr gut sehen, dass der Lack einen sehr tiefen Glanz bekommt. Das ist die Magie, die von Holz ausgeht. Das ganze Schiff lebt und atmet durch den Naturstoff und spricht mit dem Betrachter. Es ist so als wenn man jemandem tief in die Augen schaut und darin gedankenverloren versinken kann……

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Viele Menschen die hier täglich vorbeigehen halten an und betrachten CESARINAs Linien. Manchmal sagen die Leute, dass sie das schönste Schiff sei, welches sie langem hier in der Marina gesehen haben. Das macht den Skipper natürlich schon etwas stolz :-).

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Auf der anderen Seite höre ich auch aus verschiedenen Richtungen, dass manche der Meinung sind, dass ich es „etwas“ übertreibe. Wie kommen die bloß darauf :-)? Mag ja sein, dass für manch anderen die Pflege und Arbeit am Schiff mehr Last als Lust bedeutet und dessen Vorlieben anders gelagert sind. Fast wie früher…Wie oft haben damals unsere Kunden und Wettbewerber über meine Freude an Perfektion und dem ständigem Streben nach dem „Besten“ verständnislos den Kopf geschüttelt. Nur unsere Mitarbeiter waren stolz auf Ihre Firma und immerhin haben wir es ja auch nach nur 14 Jahren bis ganz nach oben geschafft. Entweder mache ich etwas „richtig“ oder gar nicht. „What ever makes your boat float“ oder was immer Dich auch glücklich macht.Warum sollte es beim Schiff denn anders sein? Liebe und Leidenschaft für das was man macht, ist die Basis und der Ursprung solcher Projekte und kann auch nicht mit Logik und Ratio begründet werden. Das Schöne ist ja, dass dieses Projekt niemals fertig werden wird 🙂

Mein lieber Mitsegler Jürgen kann jetzt gern am 27.12 an Bord kommen. Ich bin mir sicher, dass wir die Leidenschaft für schöne klassische Yachten und die See teilen und eine geniale Zeit bis nach Australien haben werden. Das Leben kann schon cool manchmal cool sein 🙂

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Riesig gefreut habe ich mich als ich gestern ein Paket von meinem lieben Freund Franjo aus Köln bekommen habe. Schon die geschriebenen Worte „Cakes and Black Bread“ auf dem Paket haben fast dazu geführt, dass die junge Dame im Marinabüro es erst gar nicht herausgeben wollte. Es roch schon von außen sehr gut 🙂 Allein schon, dass jemand sich die Mühe macht ein Paket an mich auf die ferne Reise zu bringen ist „Gold“ wert. Alle Kekse und das Paket Schwarzbrot sind aus eigener Herstellung und sind einfach nur köstlich. So fern der Heimat weiß man solche Dinge und tollen Geschenke noch 3x mehr zu schätzen. Wie gesagt, das Leben kann schon manchmal sehr cool sein 🙂

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In dem Sinne wünschen Marina-Katze „Pischi“ und ich von Bord der CESARINA Euch allen ein schönes Weihnachtsfest!  

Auf neuen Wegen, oder ein neuer Abschnitt beginnt

Es hat sich viel ereignet in den letzten Monaten. Vor 7 Monaten hat mir die Skipperin unwiderruflich mitgeteilt, dass Sie zum Ende des Jahres von Bord gehen wird. Katja möchte wieder nach Deutschland zurück und ein geregeltes Leben nach Ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen führen. In der Zeit danach hatte ich gezwungener Maßen die Gelegenheit, mir einen neuen Gegenentwurf einfallen zu lassen, an dessen Ende ich für mich eine Entscheidung treffen musste, wie es denn für mich weitergehen sollte. Keine wirklich leichte Aufgabe….

Am 13. Dezember war es dann soweit. Als das Taxi zum Flughafen auf den Parkplatz der Rodney Bay Marina rollte, haben wir den Abschied kurz gehalten. Es gibt definitiv schönere Dinge mit denen man hier in der Karibik seine Zeit verbringen kann.

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Seit dem 21. Lebensjahr träume ich davon, mit meiner Traumyacht, um die Welt zu segeln. Der Wunsch diesen Traum zu leben, ist definitiv stärker als die Sorge vor Veränderungen. Somit habe ich einen Platz bei der World ARC Organisation gebucht ohne eigentlich zu wissen, mit wem ich diese Rallye um die Welt zusammen segeln würde. Nur eines war mir stets klar. Ich wollte auf gar keinen Fall mit ständig wechselnder Crew diese gewaltigen Distanzen bewältigen. Die Herausforderung war also einen Mitsegler zu finden der Zeit hat, die nötige seglerische Erfahrung besitzt, meine CESARINA zu würdigen weiß und wo auch noch die Chemie stimmt. Normalerweise ist das eine kaum zu lösende Aufgabe.

Das Leben hat es aber wieder einmal gut mit mir gemeint:-) Rein zufällig und absolut unerwartet habe ich einen Anruf von einem Freund bekommen, dem ich von meinen Plänen und den anstehenden Veränderungen erzählt habe. Jürgen war sofort Feuer und Flamme und das eigentlich „Unmögliche“, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem gemeinsamen Plan. Mein Gefühl sagt mir, dass die Voraussetzungen für eine tolle Reise nicht besser sein können. Es passt einfach alles ohne Wenn und Aber und den Rest kriegen wir auch hin.

Am 27. Dezember wird Jürgen hier in St. Lucia anreisen und am 7. Januar geht es dann schon los nach Kolumbien. Der erste Törn geht gleich über 900 Seemeilen. Das sollte reichen, das Schiff kennenzulernen und unsere Gemeinschaft auf eine gute gemeinsame Basis zu stellen. Im Februar wird Katja dann noch einmal eine Etappe mit uns von Panama nach Galapagos segeln. Das war stand schon immer ganz oben auf Ihrer Wunschliste und wir freuen uns auf eine schöne gemeinsame Zeit an Bord.

Danach geht es dann für Jürgen und mich von Galapagos aus über 3000 Seemeilen zu den Marquesas und dann quer durch die Südsee nach Australien. Diese großen Distanzen und der gewaltige Pazifik werden uns natürlich so einiges abverlangen. Das muss man die See und das Segeln schon sehr lieben 🙂

Im August muss Jürgen dann wieder nach Deutschland zurück, denn dort warten Tochter und Firma auf ihn. Ich habe die Absicht ein Jahr in Australien, Neuseeland oder in der Südsee zu verbringen. Keine Ahnung, wer mit an Bord sein wird oder wohin es gehen wird. Ich weiss nur, dass sich schon etwas ergeben wird. Der Plan ist, keinen Plan zu haben…… Ich finde, das klingt für den Anfang doch schon einmal gar nicht so schlecht.

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Bis dahin wird CESARINA jeden Tag mehr ein Stück weiter in einen annähernd perfekten Zustand gebracht und für die Reise vorbereitet. Seit 2 Wochen schon werden von einheimischen Spezialisten alle Decksaufbauten professionell neu lackiert. Das ist doch wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest für mich 🙂  Alles Weitere wird sich dann schon ergeben…..

 

Großstadtrummel mit Startschwierigkeiten

Das Mooringfeld, in dem wir die letzten Tage eigentlich ganz prima gelegen hatten, zeigte heute durch die andere Windrichtung, die vorherrschte, dass es eigentlich für kürzere Schiffe ausgelegt war. Obwohl wir unsere Mooringleine schon so kurz wie möglich belegt hatten, klopfte die nächste Mooring mit Ihrer riesigen Kugel und dem rostigen Haken oben drauf schon an unser Heck. So ging das nun wirklich nicht und hektisch wurde alles zum Absegeln fertig gemacht. Wir wollten ja keine ernsthaften Kratzer im frischen Hochglanzlack riskieren 🙁

Wir segelten aus dem Gewirr kleiner Insel hinaus und freuten uns über einen angenehmen Segelwind, der uns auf einem „am Wind- Kurs“ genau Richtung Boston bringen würde. Die Zahl der Lobsterbojen nahm auch im Laufe des Tages deutlich ab und es war ein entspannter Segeltag. Nach Sonnenuntergang hatten wir das Gefühl, durch ein Lichtermeer zu segeln 🙂 Überall Fischerboote mit grellen Halogenscheinwerfern und alle natürlich ohne AIS. Unser Radarschirm sah aus als hätte er Masern 🙂 Da wurde heute Nacht aber wirklich viel Aufmerksamkeit gefordert und man konnte kein Nickerchen machen. Gegen zwei Uhr schlief der Wind ein und unsere Maschine musste wieder ran. Mit gut sechs Knoten Fahrt im Schiff kamen wir unserem Ziel schnell näher und würden im Laufe des Vormittags in Boston sein. Um halb vier übernahm Dietmar die letzte Wache und ich durfte auch noch eine Mütze Schlaf nehmen.

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In der aufgehenden Sonne lag Bostons Skyline schon deutlich sichtbar vor uns. Aber so einfach sollten wir unser Ziel nicht erreichen. „Hier brennt was, gibt mir mal mein Handy“, tönte Dietmars Stimme aus der Pantry. Total perplex stellte ich seine Anweisung nicht in Frage und brachte das gewünschte IPhone. Wäre ein Feuerlöscher hier nicht eher angebracht gewesen?. „Maschine aus!!!! Sofort!!!“ Zu Befehl her Kapitän, wird sofort erledigt. Aus der Bilge quoll dichter Rauch, Feuer war aber Gott sei Dank nirgends zu sehen. Und jetzt???? Erstmal musste frische Luft ins Schiff und wir schraubten schnell alle Luken auf. Dietmar identifizierte die Lichtmaschine als Troublemaker. Die hatte die letzten Stunden schon komische Geräusche von sich gegeben, obwohl wir sie erst bei Hinckleys hatten als Neuteil einbauen lassen. Nach gründlicher Prüfung baute Dietmar die Lichtmaschine aus und als wir sicher waren, dass wirklich nichts weiter gebrannt oder geschmorrt hatte, starteten wir die Maschine wieder und setzten unseren Weg in Richtung Boston fort.

Was für ein Tag 🙁 Nachdem sich die erste Aufregung etwas gelegt hatte, schrieb Dietmar eine E-Mail an Hinckley und telefonierte mit unserer Versicherung. Die übernahmen gern eine ausführliche Beratung zur weiteren Vorgehensweise. Auch die Hinckley-Werft reagierte, zwar erst ziemlich spät, aber dafür mit gutem Service. Morgen Vormittag würde ein Techniker mit allem nötigen Equipment hier in Boston eintreffen und der Sache auf den Grund gehen. So wünscht man sich das.

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Nachdem alles geregelt war, konnten wir uns wieder mit voller Konzentration unserem Ziel zuwenden. Durch die vielen vorgelagerten Inseln brauchten wir fast zwei Stunden bis wir die für uns reservierte Mooring vor der Waterboat Marina erreichten. Was für eine tolle Kulisse. Keine zweihundert Meter vom Boot entfernt lag Boston Downtown. Unser Anlegemanöver wurde von einer Freundin, die sich auf einer Rundreise in den USA befindet, in Fotos und einem Video festgehalten 🙂 Sie startete grade nebenan zu einer Whale Watching Tour.

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Jetzt war aber erstmal Frühstück angesagt und anschließend noch ein kurzes Nickerchen. Die Nacht war doch nicht besonders erholsam gewesen. Trotz der vielen Fähren, Wassertaxis und Ausflugsbooten erwies sich unser Liegeplatz als erstaunlich ruhig. Da haben wir schon deutlich schlechter geankert in den letzten Monaten. Am Nachmittag machten wir das Dinghi klar und checkten in der Marina ein. Der Preis für die Mooring betrug 55 € pro Nacht und war für die zentrale Lage wirklich unschlagbar preiswert. Für eine Nacht in der Marina hätten wir das Fünffache bezahlen müssen. Das wäre sicherlich ein teures Vergnügen geworden.

Den ganzen Nachmittag ließen wir uns ziellos durch die Innenstadt treiben. Was für eine tolle Stadt. Voll mit Wolkenkratzern und alten Gebäuden, Parks, Cafes, Restaurants und vielen Straßenkünstlern. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Städten kann man alles bequem zu Fuß erreichen 🙂 Das gefiel uns besonders gut!

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Der erste Abend in Boston war auch schon verplant. Ich wollte meine Freundin Anja zum Essen treffen und Dietmar war mit Elias verabredet, den wir über einen Freund aus Deutschland kennengelernt hatten. So verbrachten wir beide getrennt voneinander sehr nette Stunden, bis wir erst kurz vor Mitternacht ziemlich übermüdet wieder auf der CESARINA eintrudelten.

Nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht krabbelten wir am nächsten Tag aus dem Bett. Schon um Viertel vor Sieben hatte sich der Techniker von Hinckley telefonisch bei uns gemeldet und keine Stunde später war er an Bord. Gemeinsam wurden nochmal alle Kabel kontrolliert und es war wohl sicher, dass die Lichtmaschine gestern wahrhaftig in Rauch aufgegangen war. Kurze Zeit später war schon die Neue eingebaut und ein einstündiger Testlauf begann. Kurz vor Mittag war dann alles fertig und Dietmar brachte den Hinckley-Techniker wieder zurück in die Marina. Jetzt hoffen wir wirklich, dass alles gut funktioniert und wir keine weitere Hilfe des Hinckley-Teams mehr brauchen werden 🙂

Den Nachmittag verbrachten wir im New England Aquarium, das direkt an der Waterfront liegt. Ein tolles Erlebnis mit einem riesigen Meerwasserbecken, das sich über komplette drei Etagen erstreckt. Hier sahen wir viele „alte“ Bekannte unserer Tauchgänge in der Karibik. Am Nachmittag fand außerdem die Fütterung der Pinguine statt. Diese erfolgte unter genauer Listenführung durch die Mitarbeiter per Hand, damit niemand zu kurz kommt oder zu viele Fische bekommt.

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Da sich der angesagte Regen immer noch nicht blicken ließ bummelten wir noch in Hafennähe etwas durch die Stadt und genossen die Vorstellungen verschiedener Straßenkünstler, bevor wir uns aufs Boot zurückzogen.

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Zu Gast in HINCKLEY`s Traumfabrik

Heute stand für uns ein besonderer Leckerbissen auf dem Programm. Als mittlerweile gute Kunden von HINCKLEY haben wir eine Einladung erhalten, uns die Fertigung von neuen Yachten in Bar Harbor anzusehen. Wir wurden dort sehr freundlich empfangen und haben uns sogleich mit dem Produktionsmanager Frederick auf den Weg in die heiligen Hallen gemacht. Hier werden von ca. 370 Mitarbeitern mit viel Herzblut und Geschick ca. 60 neue Yachten von 12 bis 23 Meter überwiegend in Handarbeit gefertigt. Davon sind aber nur 5 Stück Segelyachten, der Rest sind Motoryachten. Die Werft wurde 1928 an der US-Ostküste gegründet und hat sich international ein hoher Ansehen als Hersteller von Qualitätsyachten erarbeitet. Ich selber hatte ja schon die Gelegenheit eine der Yachten mit je zwei 500 PS Jetantrieben in freier Wildbahn zu testen. Wie cool war das denn 🙂 ?

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Als erstes hatten wir die Gelegenheit, uns die Bootstischlerei oder „Carpinterie“ anzusehen. Hier werden alle Arten von edlen Hölzern je nach Kundenwunsch verarbeitet und die einzelnen Bauteile und Komponenten gefertigt, die später dann in das Schiff eingebaut werden. Da jedes Schiff einen sehr hohen Grad an Individualisierung aufweist und kundenspezifisch gefertigt wird, gleicht kein einziges Schiff dem anderen. Dass sich dieser hohe Aufwand im Preis der Yachten niederschlägt, wird dadurch jedem sehr leicht verständlich. Eine 12 Meter lange Segelyacht zum Beispiel kann deutlich mehr als eine Million US Dollar kosten. In der Großserie bekommt man eine segelfertige Yacht schon für unter zweihundert tausend US Dollar

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Bevor die einzelnen Bauteile die Tischlerei verlassen, erhalten diese bis zu 12 Schichten Klarlack. Große Flächen werden in einer Lackierkabine im Spritzverfahren lackiert und bei kleineren Flächen kommen Pinsel und Rolle zum Einsatz. Allein dieser Prozess füllt schon Bände mit Fachwissen und Erfahrungsberichten. Das Ergebnis hat dann Klavierlackqualität.

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In der nächsten Halle werden Rumpf und Deckschale produziert. Wie das gemacht wird, hat Fred uns anhand eines Modells gut verdeutlicht.

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Zuerst wird im Spritzverfahren das sogenannte Gelcoat, also die Außenhaut und später sichtbare Oberfläche, auf die sogenannte Negativform aufgebracht. Danach werden mehrere Lagen aus Kevlar, Glasfaser, Kohlefaser und noch so einigen anderen Materialien mehr über die Negativform gelegt, welche für jeden Bootstyp einer Klasse standardisiert ist. Diese Lagen werden dann abschließend mit einer Folie bedeckt und gegen die Form so abgedichtet, dass man ein Vakuum darauf ziehen kann. An dem einen Ende wird die Luft abgesaugt und an dem anderen wird dann über ein Schlauchsystem ein spezielles Harz hinein gepumpt. Die hohe Kunst ist es jetzt den Prozeß so zu steuern, dass alle Hohlräume oder Blasen vollständig verschwunden sind. Es gibt nur einen Versuch und wenn es in die Hose geht, ist sehr viel Material und Zeit verloren. Das Harz härtet dann aus und am Ende wird die Schale dann wieder von der Form getrennt. Den Prozeß nennt man Vakuum-Infusions-Verfahren.

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Negativform für eine Deckschale. Bevor die Lagen laminiert werden, wird die Schale mit einem Trennmittel eingesprüht, damit sich das Gelcoat nicht mit der Form verbindet.

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In dem nächsten Bereich werden in die Rumpfschale die komplette Antriebstechnik, die Diesel und Wassertanks, die Kabinen, Steuerstände, Elektronik und noch vieles mehr eingebaut. Jetzt sind ja noch alle Bereiche frei zugänglich. Bei der Fülle an einzelnen Bauteilen, wird es später wahnsinnig eng unter Deck wie man gut erkennen kann. Schiffstechniker sind daher in der Regel auch eher kleinere und meist sehr gelenkige Menschen. In dem Deckel werden auch schon die Luken, Fenster und alle erdenklichen Beschläge eingebaut.

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Der nächste Schritt wird „Hochzeit“ genannt. Damit ist gemeint, dass Ober- und Unterteil miteinander verklebt und verschraubt werden. Bevor das aber geschieht, werden wirklich alle erdenklichen Einzelteile auf Passgenauigkeit und Funktion geprüft. Auch hier gibt es nur einen Versuch. Wenn der Kleber erst einmal abgebunden hat, gibt es kein Zurück mehr.

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Am Ende der Fertigungsstraße wird das Schiff dann endmontiert und von der Qualitätssicherung abgenommen. Bevor es dann dem glücklichen Kunden präsentiert wird, werden auch auf dem Wasser alle Komponenten einem sehr ausführlichen Tests unterzogen. Denn am Schluss möchte und wird HINCKLEY seinem Ruf als Premium- und Qualitätshersteller mit jeder einzelnen Yacht gerecht werden.

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Das war ein sehr interessanter und wertvoller Tag für uns. Trotzdem hängt mein Herz an unserer CESARINA und das ist auch gut so 🙂

CESARINAS Refit -Teil 1

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Am Freitag, den 12. August sind wir dann endlich in Southwest Harbor angekommen. Der erste Weg führte uns natürlich zu den heiligen Hallen der HINCKLEY Werft. Da wir wussten, dass unsere CESARINA zum Lackieren vorbereitet werden sollte, fanden wir sie dann auch in der Halle 3, dem Reich von Jeff. Jeff ist seit 25 Jahren für das Lackieren von neuen und neu zu lackierenden Yachten zuständig. Sein Ruf eilte ihm schon voraus. Er solle der wohl beste und erfahrenste Mann an der US Ostküste für top Yachtlackierungen sein. Immerhin werden hier bei Hinckley circa 60 Yachten pro Jahr lackiert, was ja schon einmal eine recht ordentliche Hausnummer ist.

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Die ersten Vorarbeiten waren bereits schon erledigt. Das heißt, dass die beschädigten Bereiche in der Außenhaut (Gelcoat) bereits gespachtelt und geschliffen wurden. Was jetzt folgte, kann man getrost als echte Knochenarbeit bezeichnen. Da CESARINA einen sehr dunklen Lack bekommen wird, der dazu auch noch durch vier Extraschichten Klarlack hochglänzend sein wird, muss die Oberfläche absolut eben sein. Diese hohe Qualität erhält man, indem ein relativ grobes Schleifpapier auf ein ca. 1 Meter langes und flexibles Brett geklebt wird und mit dem dann in reiner Handarbeit und mit viel Muskelkraft der gesamte Rumpf abgeschliffen wird. In der Fachsprache nennt man das „Boarding“. Man darf ja nie vergessen, dass wir hier über ein 17,40 Meter langes Schiff sprechen. Da können die Arme ganz schön lang werden. Dazu stehen die Jungs auf stark schwankenden Bretten in luftiger Höhe. Allein dieser Job benötigt circa. 50 Arbeitsstunden. Aber für irgendwelche Kompromisse waren weder Jeff noch wir zu haben. Top Qualität braucht eben eine perfekte Vorbereitung.

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Nachdem soweit alle Feinheiten besprochen waren, machten wir uns dann auf die Suche nach unserem Motor, den wir schließlich  in der Schlosserei fanden. CESARINA`s „Herz“ stand dort fein säuberlich mit neuem Lack versehen auf dem Boden der Werkstatt. Was für eine Freude mir dieser Anblick bereitet hat, ist kaum zu beschreiben. Die Maschine sah wirklich aus wie neu. Wie viele Stunden hatte ich schon mit Arbeiten an dem Motor verbracht und mich so oft geärgert, dass tief in der Bilge eine übelriechende, ölige Flüssigkeit stand und der Motor aussah, als wäre er schon 20000 Stunden gelaufen. Tatsächlich hat er aber erst 2000 Stunden auf der Uhr. Ich weiß, ich bin in diesen Dingen vielleicht zu pedantisch, aber ich liebe es nun einmal, wenn alles sauber und appetitlich ist. Aus dem Grund haben wir auch die gesamte Bilge neu beschichten lassen und die Maschine gründlich überholen lassen. Folgende Arbeiten an der Maschine wurden in Auftrag gegeben: Maschine ausbauen, reinigen und neu lackieren, Dieselpumpe und Injektoren ausbauen und neu kalibrieren lassen, alle Leitungen, Filter und Schläuche erneuern, Ölwechsel, Impeller wechseln, Ventile einstellen , Anlasser erneuern, Lichtmaschine erneuern, Stoppschalter erneuern, manuellen Stoppschalter installieren, Gas und Schaltzug erneuern, Getriebeöl erneuern etc. Dazu gibt es noch eine neue Dieselfilteranlage und eine neue Bilgenpumpe. Ich freue mich schon, wenn ich den Maschinenraum später einmal als Schmuckstück präsentieren kann, was ich dann auch sicherlich sehr gern tun werde. Einen Maschinenraum von dessen Fußboden man essen kann 🙂 Perfekt eben!

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Die Jungs hatten übers Wochenende fleißig am Schiff gearbeitet und alle Unebenheiten am Rumpf durch schleifen, spachteln, schleifen beseitigt. Die vielen weißen Stellen sind alle einmal gespachtelt und geschliffen worden. Dazu gehören neben starken Armen auch sehr gute Augen, Fingerspitzengefühl und eine gehörige Portion Erfahrung.

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Schon am Dienstag folgte der nächste Schritt. Nachdem der Rumpf gereinigt und wieder einmal sauber abgeklebt und in Folie verpackt worden ist, hat Jeff dann den sogenannten Primer mit der Spritzpistole aufgebracht. Der Primer hat die Aufgabe, dass der Lack später auch perfekt auf dem Untergrund haften wird. Schon hier konnte man sehen, dass die lackierten Oberflächen so glatt wie ein Baby-Popo waren.

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Nachdem der Primer über Nacht durchgetrocknet war, hieß es dann wieder schleifen. Die gesamte Oberfläche musste wieder per Exzenterschleifer angeschliffen werden, um zum einen den Haftgrund für die nächste Farbschicht vorzubereiten und zum anderen eventuelle Pickel auf der Oberfläche zu beseitigen. Am Donnerstag war es dann soweit, dass Jeff den gesamten Rumpf in AWL Grib „Flag Blue“ lackieren konnte. Ganze fünf Farbschichten wurden mit der Spritzpistole aufgebracht, um eine perfekte und lang haltende Schichtdicke zu erreichen. Das klingt so einfach, aber ganz genau das Gegenteil ist der Fall. Man muss bedenken, dass die Flächen sehr groß sind und dort kiloweise Lack gleichmäßig aufgebracht wird. Dazu arbeitet der Lackierer im Vollschutzanzug mit Atemmaske, da er ja sonst wegen der Lösungsmittel ohnmächtig vom Gerüst fallen würde. Dazu muss er noch aufpassen, dass der Lack nicht zu dick aufgetragen wird weil es sonst Läufer und Lacknasen geben würde. Spät am Abend war das Werk dann vollbracht.

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Am Freitag Mittag kam ich dann voller Vorfreude in die Halle und glaubte meinen Augen nicht trauen zu können. Jeff war schon wieder dabei die wirklich durchgehend hochglänzend und perfekte Oberfläche wieder mit dem Schleifer zu bearbeiten. Mit einem Lachen in den Augen sagte er mir, er hätte selber das Gefühl, dass dieser Schritt reiner Vandalismus  sei 🙂 Auf der linken Seite spiegelte sich die Wand und auf der rechten Seite war schon wieder alles fein matt geschliffen. Aber es ist nun einmal notwendig, weil ich mir mit den zusätzlichen 4 Schichten Klarlack einen Sonderwunsch erfüllt habe. Der Lack soll später einmal so aussehen, als läge er unter einer Schicht aus Glas. Wenn sich das Wasser und die Sonne darin spiegelt, soll es dadurch wunderschöne Licht- und Farbeffekte geben. Das hat sogar den Lackierern gefallen, weil es schon etwas besonderes ist und wohl nur selten bestellt wird. Aber unsere CESARINA ist ja schließlich auch ein besonderes Schiff 🙂

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Am Sonntag stand ein weiteres Highlight auf dem Programm. Gegen 11:00 holte uns Renee aus dem Motel ab und wir fuhren gemeinsam zur Werft. Renee ist eine Künstlerin aus Southwest Harbor, die schon seit vielen Jahren die Namenszüge in 24 Karat Gold Leaf auf das Heck von edlen Yachten zaubert. Schon vor einigen Wochen haben wir uns am Schiff getroffen, um über diesbezügliche Vorstellungen und Wünsche zu sprechen. Nach einigen Entwürfen haben wir uns dann auf einen davon geeinigt, der allen Seiten als stimmig erschien. Mittels einer Lage aus einem Durchschreibe-Pergamentpapier zwischen dem Bogen Papier mit dem Schriftzug und dem Heck, hat sie die Umrisse der einzelnen Buchstaben auf das Heck gebracht. Dann kam der künstlerische Akt. Die einzelnen Buchstaben hat sie dann mit einem Pinsel und einer speziellen Tinktur frei Hand ausgemalt. Allein die vielen Rundungen und Bögen über große Strecken so perfekt hinzubekommen ist eine echte Kunst. Nach gut 5 Stunden war es dann vollbracht.

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Im nächsten Schritt wird eine dünne Lage aus 24 Gold über die gemalten Flächen mit dem Kleber gelegt und angedrückt. Anschließend werden mit einem weichen Pinsel die überstehenden Goldreste entfernt und in einer Schachtel aufgefangen. Spätestens jetzt zeigt es sich wie präzise und sauber der Pinsel geführt wurde. Renee hat es sehr perfekt hinbekommen. Letztendlich hat sie auch nur einen Versuch. Sonst würde es teuer werden und der Untergrund wäre auch gründlich versaut 🙂

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Das perfekte Finish erhält das Kunstwerk dann noch dadurch, dass mit einem Tuch aus Samt die weichen Oberflächen bearbeitet werden. Durch vorsichtige Streichbewegungen unter leichtem Druck auf dem weichen Gold werden feinste Konturen erzeugt, in denen sich das Licht bricht und je nach Lichteinfallswinkel tolle Effekte ergibt. Genau wie bei unserem Lack 🙂 Ganz am Schluss wird das gesamte Heck mit 8 Schichten Klarlack überzogen, um den Schriftzug dauerhaft zu versiegeln. Ich bin der Meinung, dass man es kaum noch perfekter machen könnte 🙂

 

 

Cesarinas Refit – oder bald ist Weihnachten

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Was muss meine Frau bloß alles mit mir ertragen? Es liegt in meiner Natur, dass ich schöne Dinge an denen mir etwas liegt, noch etwas schöner und perfekter machen möchte. So auch meine CESARINA! Vor gut 6 Wochen habe ich unsere Cesarina den Mitarbeitern der HINCKLEY Werft überlassen und mich dann nach Deutschland zu einem ausgiebigen Heimaturlaub verzogen. Die zu erledigenden Umbauten, Reparaturen und Ideen wurden als Ergebnis von vielen Besprechungen in einem langen Protokoll dokumentiert. Mit dem Gefühl im Gepäck, zumindest die wichtigsten Punkte abgehakt zu haben, ging es dann Heim nach Leverkusen.

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Jetzt sind es nur noch 3 Tage bis zu unserem Wiedersehen bei Hinckley. Unser Schätzchen wird dann aber noch für eine gute Woche in der Lackierhalle stehen und auf Ihr neues Lackkleid warten. Mann, was bin ich aufgeregt. Die Lackierung wird aufwändiger als üblich sein, denn auch hier habe ich ein paar spezielle Wünsche in Auftrag geben dürfen. Das Ergebnis soll schlicht umwerfend werden….. Mehr verrate ich noch nicht an dieser Stelle 🙂 Das Ergebnis sollte dann am besten einfach für sich selbst sprechen.

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Es ist ja nicht so, dass wir während der letzten Wochen nicht auf Stand gewesen wären. Ab und zu haben wir schon aktuelle Bilder aus Maine bekommen. Natürlich hätte ich mir tägliche Updates gewünscht, aber ich glaube, dass meine fast täglichen Mails mit Änderungs- und Sonderwünschen sowieso schon nervig genug für den Projektmanager gewesen sind. Ein ganz besonderes Highlight war die Überarbeitung des Teakdecks. 1000 Meter Dichtungsmasse mussten aus dem Deck entfernt werden und danach wieder neu vergossen und geschliffen werden. Was für eine WahnsinnsaRbeit! Ich denke, dass die besten Leute von Hinckley diesen Job bei uns ausgeführt haben. Das Ergebnis sieht auf den Bildern schon grandios aus.

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So sehr ich mich gefreut habe, dass die Männer von Hinckley die in meinen Augen fast unmöglich zu lösende Aufgabe hinbekommen haben, die Maschine aus dem Schiff zu holen, war es doch ein sehr befremdliches Gefühl, den Diesel dann am Haken des Kranes zu sehen. Die Maschine soll ebenfalls komplett überholt und anschließend neu lackiert werden. In dem Zusammenhang wird auch gleich die Bilge neu lackiert und eine neue Dieselfilteranlage installiert. Die Maschine ist ja schließlich unsere Lebensversicherung und muss unbedingt funktionieren, wenn es darauf ankommt.

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So ganz nebenbei wurde auch der alte Lack vom Setzbord (engl. „toe rail“) abgezogen und wird in 12 neuen Lackschichten wieder neu aufgebaut. Die anderen Deckaufbauten werde ich dann später selber neu lackieren.  Dafür habe ich eine professionelle Schleifmaschine aus Deutschland mitgebracht  und werde selber den Pinsel schwingen. Etwas Übung habe ich ja schon sammeln können in den letzten Monaten 🙂

Somit bleibt die Spannung  wohl noch ein wenig erhalten, wie das finale Ergebnis wohl aussehen wird. Für mich ist die Zeit wie Weihnachten. Die Vorfreude ist wie immer die schönste Freude. Und eines ist sicher: CESARINA hat es sich sicherlich verdient! Eigentlich  ist sie viel zu schade, um sie danach noch durch die rauhe See zu steuern. Aber schließlich wurde sie doch genau zu diesem Zweck gebaut. Wir werden sie gut behüten und auf sie aufpassen. Genauso wie sie immer auf uns gut aufpassen wird 🙂