Archiv für den Tag: 30. November 2014

Endlich zurück – Zeit für die erste Entdeckungstour

Nach zwei Tagen zurück in der Wärme hatte ich mich schon wieder etwas akklimatisiert und am Sonntag gegen Mittag stand mir der Sinn danach, die Umgebung des Hafens näher zu erkunden. Nach einem kurzen Rundgang durch die sehr gepflegte Appartementsiedlung mit einem Kinderspielplatz und einem kleinen Supermarkt gingen wir zusammen an den Strand. Wenn man der Küste weiter folgen würde, könnte man Maspalomas bestimmt in einer guten halben Stunde erreichen. So dachten wir jedenfalls.

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Da hier am Hafen nicht so viel Abwechslung geboten wurde, stand uns der Sinn nach Stadt und Menschen. So zogen wir nach dem Adventskaffee mit mitgebrachten, selbstgebackenen Keksen gemeinsam los. Leider war ein langer Küstenabschnitt bei dem momentanen Wasserstand zu Fuß nicht passierbar. Da Umkehren für mich aber nicht in Frage kam entschied ich, dass wir ja auch oben auf der Klippe entlang laufen könnten – der dort oben so wunderbar grün und gepflegt angelegte Golfplatz sah auch viel einladender aus. Und eingezäunt war er auch nicht. Was sollte also passieren? Da ich einfach losstiefelte, folgte Dietmar mir dann doch schimpfend und zeternd, da er keine Lust hatte von den Golfern eins auf die Mütze zu bekommen.

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Die Golfer beäugten uns zwar misstrauisch, aber anscheinend sahen wir so ungefährlich oder vielleicht auch gefährlich aus, dass niemand wagte, uns anzusprechen. Auch hatten wir Glück, denn alle Spieler schienen ihr Handwerk so weit zu verstehen, dass wir nicht von einem Querschläger abgeschossen wurden. Nach einer knappen Viertelstunde näherten wir uns unbehelligt dem Ende des Golfplatzes. Soweit war ja alles schon mal gut gegangen. Jetzt tauchte aber ein neues Problem in Form eines zwei Meter hohen Drahtzaunes am Ende des Platzes auf. Das wäre jetzt aber wirklich nicht nötig gewesen L Gerade als wir uns entschieden hatten umzukehren, entdeckte ich eine große Lücke im Zaun. Auf der anderen Seite befänden wir uns dann zwar in einem derzeit trockenen Regensammelbecken, aber die letzten Meter bis zur Strandpromenade sollten wohl auch noch zu meistern sein. Und wie so oft im Leben, löste sich dieses Problem Sekunden später von selbst…

“Wenn Ihr auf die Promenade wohl, geht Ihr hier am besten durch den Abwassertunnel! Danach kann man dann auf der linken Seite bequem die Mauer raufklettern.“ Ertönte eine Stimme aus dem Dunkel. Ok, was nun? Ignorieren oder hingehen? Wenn man so freundlich auf Deutsch angesprochen wird, ist man auf jeden Fall erstmal neugierig. Im Inneren des Tunnels hatte es sich ein Obdachloser häuslich eingerichtet. Dieser erklärte uns bereitwillig und sehr höflich den weiteren Weg. Völlig perplex fanden wir uns keine drei Minuten später auf der Promenade wieder.

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Nach dem kleinen Abenteuerausflug genossen wir noch den Bummel auf der belebten Promenade mit ihren Restaurants, Hotels und Geschäften. Zurück zum Hafen wählten wir aber wegen der einbrechenden Dunkelheit eine weniger aufregende Reiseroute. Mit dem Taxi ging es gefahrlos über die beleuchtenden Straßen zurück auf die SUMMER.

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Zum Abendessen gönnten wir uns etwas ganz Besonderes: Eine Dose der von Kerstin und Tommy mitgebrachten bayrischen Weißwürste mit süßem Senf. Anfangs standen wir den „Dosen-Weißwürsten“ noch etwas reserviert gegenüber, schließlich waren wir ja nur echte und frische Weißwurst vom Dorfmetzger in Allershausen gewöhnt. Aber schon nach dem ersten Bissen genossen wir echtes Bayern-Feeling bei abendlich angenehmen 20°C auf Gran Canaria.

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Abschiede, Geburtstage und endlich wieder gemeinsam an Bord

Vergangenen Freitag pünktlich um 17:37 landete der Jet von Norwegian Airlines auf Gran Canaria. Das Ende des seit gut fünf Wochen kultivierten Strohwitwer-Daseins nahte in großen Schritten. Mit anderen Worten, Katja war wieder zurück an Bord! Nicht, dass es langweilig gewesen wäre oder zu ruhig, aber die Freude auf meine „bessere Hälfte“ war schon groß. Im Gepäck befand sich neben allerhand persönlichen Dingen auch eine Reisetasche, die mit leckeren und vor allen Dingen selbstgebackenen Weihnachtsgebäck gut gefüllt war. Es traf sich gut, dass wir mit dem Mietwagen von Lars von dem Katamaran JOY OF LIFE und seinen beiden Hamburger Freunden Michi und Olli gerade auf den Weg nach Las Palmas waren, um den Geburtstag von Frank (SY CAYLUNA) und Torsten (SY INFINITY) gemeinsam zu feiern. Wir hatten vor knapp drei Monaten in Lagos vereinbart, dass wir uns alle noch einmal zu diesem Tag in Las Palmas treffen wollen, um auf die gute gemeinsame Zeit anzustoßen, bevor sich unsere Wege wohl für längere Zeit trennen würden. All unsere Freunde wollten in den nächsten Tagen den Atlantik überqueren und ihre Reise in der Karibik weiter fortsetzen, während wir noch ein weiteres Jahr auf den Kanaren, den Azoren und an der Küste von Spanien und Portugal verbringen wollen. Die Feier fand in einem chinesischen Restaurant mit einem ausgezeichneten Angebot an Köstlichkeiten statt. Nach einem großen „Hallo“ verteilte Katja in kleinen Tüten einige Ihrer Weihnachtskekse in der Runde. Es ist so eine Sache mit der weihnachtlichen Stimmung bei 26°C und kurzen Hosen. In Deutschland trinken die Menschen Glühwein und Feuerzangenbowle und frieren sich die Nasen ab, während wir isotonische Getränke und eiskaltes Bier auf dem Tisch stehen haben J Der Abend war sehr gelungen, zumal sich auch noch einige andere Segler zu uns gesellt hatten, die mit Ihren Geschichten für viel Heiterkeit gesorgten. Gegen Mitternacht waren wir dann alle wieder bestens gelaunt zurück auf den Booten. Der Abend hatte wirklich Spaß gemacht!

Am nächsten Morgen durfte Katja dann endlich unseren neuen Windgenerator auf dem Geräteträger bewundern. Vor gut zwei Wochen habe ich das Teil in Deutschland bestellt und dann mit Hilfe von Lars, der eine Hamburger Spedition leitet, nach Gran Canaria auf unsere „Yacht in Transit“ exportiert. Dabei durfte ich sehr viel Wissenswertes über Zollabfertigung und Formalitäten lernen. Alles Dinge, die uns bestimmt später noch einmal sehr nützlich sein könnten. Das zweite Windrad hat die Aufgabe, unsere Energiebilanz zu optimieren und die Batterien aufzuladen wenn wir auf See oder am Ankerplatz ohne Landstrom unterwegs sind. Ich muss zugeben, dass ich echt stolz war, als der Generator dann das erste Mal Strom lieferte und die neuen Masten, auf denen er befestigt ist, fast perfekt auf den Geräteträger gepassten. Wenn man einmal selber eine solche Installation durchgeführt hat, dann weiß man umso mehr zu schätzen, was unser Yachtservice Gutowski in Grömitz über den Winter alles an guter Arbeit geleistet hat.

Heute Morgen um 06:25 holte uns der Wecker aus den Kojen. In gut 30 Minuten wollten wir auf jeden Fall Lars, Michi und Olli noch verabschieden. Pünktlich zum Sonnenaufgang sollte die Reise nach Grenada in der Karibik losgehen. Die drei Jungs waren uns sehr an Herz gewachsen, weil wir eine sehr gute und extrem lustige Zeit zusammen verbracht hatten. So traurig der Abschied auf der einen Seite auch für uns war, so aufregend und spannend wird die Reise für die 3 Kameraden sein. Als die Maschinen dann gestartet und die Heckleinen gelöst waren, ging es auch zügig aus dem Hafen hinaus in Richtung Westen. Heute Abend um 19:00 UTC werden wir das Funkgerät auf 12.356Mhz einstellen und fragen, wie es denn so läuft.

In den kommenden Tagen erwarten wir noch die SY CAYLUNA und die SY INFINITY zu einem Zwischenstopp bei uns in Pasito Blanco bevor auch diese zu den Cap Verden und danach in die Karibik segeln werden.

Jedenfalls freuen wir uns, dass wir wieder zusammen auf unserer SUMMER sind und auch bald zu neuen Ufern aufbrechen werden. Der Liegeplatz ist hier bis zum 3. Dezember bezahlt und so langsam wollen wir auch wieder beginnen zu planen. Aber immer schön langsam, damit meine liebe Frau auch wieder vollständig gesund werden kann. Unsere Reise ist ja zum Glück kein „Sprint-„ sondern eher ein „Langstreckenrennen“ und das wird bekanntlich nicht in der ersten Runde entschieden J