Weiter Richtung Süden – Egal wie :-)

Diese Woche begann für unsere Verhältnisse erstaunlich früh. Pünktlich um halb neun, genau zur Öffnung der schwenkbaren Fußgängerbrücke, hatten wir die SUMMER startklar und die Leinen los geworfen. Die Sonne war irgendwie auch noch nicht ganz wach, denn sie hatte sich noch nicht gegen den dichten Nebel über dem Wasser durchsetzen können. Das ganze Deck war von einer dicken Schicht Morgentau überzogen. Mal sehen, wie es sich entwickeln würde.

Wir genossen noch einmal die schöne Aussicht auf Lissabon, während wir auf dem Tego bei ablaufendem Wasser mit Maschinenkraft in Richtung Meer fuhren.

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Schon in der Mündung saßen wir im dichten Nebel und waren nicht erfreut, dass wir unser Radarproblem anscheinend immer noch nicht gelöst hatten. Immer wieder verschwand das Signal vom Bildschirm und mittlerweile hatten wir nur noch eine durchschnittliche Laufzeit von unter einer Minute, bevor der Bildschirm wieder schwarz wurde. Neuerdings kamen auch noch lustige farbige Kreise hinzu (meistens in rosa). Es war wirklich zum „Mäuse melken“! Sichtlich genervt schrieb Dietmar eine Email an Raymarine und organisierte uns schon mal einen Techniker für unseren nächsten Zielhafen Lagos.

Gemeinschaftlich versuchten wir bei immer dichter werdenden Nebel, im Fahrwasser des Tegos noch einen „kleinen“ 100m Tanker zu versenken. Aber er hatte Glück und konnte uns leider gerade noch so entkommen 🙂

Auf offener See kam endlich Wind auf und der Nebel lichtete sich schnell. Die Dünung lief aber quer zum Schiff und die SUMMER kam uns vor wie ein Flaschenkorken, der auf den Wellen hin und her schaukelt. Nicht schlimm, da die Welle nicht hoch war, aber irgendwie anstrengend. Wie schon befürchtet, kam der Wind genau von vorn und interessierte sich auch nicht weiter für die Vorhersage, gegen Mittag auf West zu drehen, damit wir endlich die Segel setzen konnten.

Wir tuckerten weiter Richtung Süden und die Zeit verging diesmal eher zähflüssig. Alle Versuche wenigstens ein Stückchen zu segeln, scheiterten kläglich. So fügten wir uns in unser Schicksal und vertrieben uns die Zeit mit Lesen, Essen und Schlafen. Am späten Nachmittag bekamen wir dann Besuch von eine große Delphinschule, die sehr zum Spielen aufgelegt war. Zu dritt und zu viert sprangen sie gleichzeitig oft weit aus dem Wasser. Gemeinsam standen wir vorne auf dem Bug und genossen das Schauspiel. Hier vorne war auch unser Motor fast nicht zu hören. Wie schön und friedlich die Welt war ohne den nützlichen „Nervzwerg“, der unter Dreck mit seinem Lärm den Frieden störte. Als krönenden Abschluss sahen wir mehrmals den Blas eines Wals, der ganz in der Nähe vorbeizog. Was für ein schönes Erlebnis.

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Die Nacht begann klar und schön. Der Vollmond strahlte so hell, dass die Sicht fast so gut war wie am Tag. Diesmal hatte ich die erste Wache, da ich über Tag recht viel geschlafen hatte. Ereignislos zog sich die Zeit leider etwas wie Kaugummi. Nur verschiedene Vogelschwärme umkreisten der Boot in der Nacht. Einmal beschlossen zwei der kleinen Gesellen doch eine Weile auf unserem Solarpanel mit zu fahren. Ich hatte ein bisschen Angst um die Beiden, die da so dicht neben dem Propeller des Windgenerators saßen, der sich mit beeindruckender Geschwindigkeit drehte. Aber alles ging gut und irgendwann war ich wieder alleine an Deck.

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Gegen drei Uhr morgens, kurz nach dem Wachwechsel, kam wieder sehr dichter Nebel auf. Ganz im Gegensatz zu meiner entspannten Wache, war Dietmars Schicht wirklich kein Vergnügen. Aber er schaffte es, uns sicher ums „Cabo de São Vicente“ zu manövrieren und allen großen und kleinen Fischerbooten, die in Portugal leider ohne AIS unterwegs sind mehr oder weniger großräumig auszuweichen. Brenzlig wurde es nur einmal als in ca. 70 Meter an Backbord ein Trawler mit Schleppnetzen aus dem Nebel auftauchte. Kein AIS kein Nebelhorn und nur ein Scheinwerfer auf das Netz gerichtet. Dietmar konnte sogar deutlich die einzelnen Stimmen der Fischer hören, bevor der Fischer wieder im Nebel lautlos verschwand. Als ich dann um halb neun wieder aus meiner Koje krabbelte war der Spuk wieder vorbei und ich hatte alles verschlafen. Dank meines lieben Ehemannes führe ich manchmal schon ein echtes Luxusleben 🙂

Unsere Tankuhr zeigte schon seit gut einer Stunde „EMPTY“ (staubtrocken) an. In Lagos füllten wir daher zuerst unseren Tank mit knapp 300 Liter Diesel wieder auf, bevor wir die SUMMER in den Hafen verholten. Lustiger Weise akzeptierten sie an der Tankstelle nur Bares und American Express. Eine echte Herausforderung für uns, da wir ja volltanken wollten und keine Bank oder Geldautomat in Sicht war.

Nach einem direkt anschließenden, ausgiebigen Frühstück an Land (gut, dass man fast überall mit EC-Karte bezahlen kann) und einem kleinen Mittagsschläfchen waren wir wieder fit und unternehmungslustig. Für den Abend hatte sich nämlich unser erster Besuch aus Deutschland angesagt. Die Familie Lachaise verbrachte ihren Urlaub in Portugal und beobachtete unser Vorankommen Richtung Süden schon seit einigen Tagen. Jetzt saßen wir mit Michael, Silke & Philip zusammen in einem Restaurant am Yachthafen. Dietmar hatte Michael erst letztes Jahr bei einem gemeinsamen Kundenbesuch in Österreich von unseren Plänen erzählt und heute saßen wir alle zusammen bei uns auf dem Boot an der Südspitze Portugals. Es ist wirklich unglaublich, aber es hat geklappt :-)Nach dem tollen Abend freuen wir uns schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

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