Reisevorbereitungen

Für unsere Zeit in Kuba hatte sich Besuch angesagt: Meine Mutter würde am Freitagabend aus Köln zu uns kommen. Zusammen wollten wir 12 Tage mit dem Mietwagen das Land erkunden. Die Reiseroute hatten wir im Januar zusammen geplant und schon Unterkünfte auf dem Weg für uns reservieren lassen. Auch der Mietwagen musste nur noch abgeholt werden 🙂

Heute mussten wir aber erst einmal das Boot wieder auf Vordermann bringen. Die ausgelaufene H-Milch und die explodierte Cola beschäftigten mich einen halben Tag lang :-(. Aber ich nutzte auch gleich die Gelegenheit, um die gesamte Pantry zu putzen und die Lebensmittel mal wieder durchzusehen. Es sollte uns doch nach den fast zwei Wochen Landurlaub nichts aus den Schapps entgegengelaufen kommen. Dietmar machte in der Zeit das restliche Boot sauber, verpackte die Segel zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen und begann, sich um den kaputten Autopiloten zu kümmern. Am Nachmittag marschierten wir hinüber zur Werft. Ein großer 100-Tonnen-Kran stand unbeschäftigt auf dem gut bewachten, aber doch sonst recht leeren Gelände. Ein Segler hatte uns den Tipp gegeben, dass man hier günstig und gut neues Anti-Fouling bekommen könnte. Nach dem Gespräch mit dem Werftchef entschieden wir uns, unserer CESARINA etwas Wellness zu gönnen. Das letzte Antifouling, das wir in Las Palmas hatten streichen lassen, war leider schon fast vollständig abgewaschen. Am Freitag würde die Dame an Land kommen und während unserer Rundreise ordentlich verschönert werden. Passende Anti-Fouling von HEMPEL war auf der Werft in größeren Mengen vorhanden :-). Das waren ja gute Voraussetzungen, denn in Kuba sollte ja die Beschaffung solcher Dinge mit großen Schwierigkeiten verbunden sein 🙂

So nutzen wir die restliche Zeit, um unsere CESARINA landfein zu machen. Am Donnerstagnachmittag machte auch die FELUKA in Varadero fest. Sie hatten die Nordost-Küste Kubas in kleineren Schritten abgesegelt und hatten schon eine Menge zu erzählen. So saßen wir beim Abendessen im Hafenrestaurant zusammen und hörten die ersten Berichte aus dem Osten des Landes. Das behütete Marinagelände hätte auch überall sonst auf der Welt sein können und wir hatten von Kuba bisher eigentlich nichts gesehen. Einzig die vielen Oldtimer, die hier als Taxis unterwegs sind und die merkwürdige Auswahl an Lebensmitteln im Supermarkt ließen erahnen, dass wir uns im sozialistischen Kuba befanden.

Am Freitagmorgen hatten wir dann unseren Krantermin um acht Uhr. Ralf von der FELUKA hatte sich bereit erklärt, uns zu helfen. Unser Frühstück an diesem Morgen war schon ziemlich eingeschränkt, da ich unseren Kühlschrank auch schon landfein gemacht hatte. Es gab nur eine Tasse Kaffee :-(. Aber nach getaner Arbeit wollten wir in der Bar der Marina frühstücken. Dass Kuba eindeutig zur Karibik gehört und die Uhren einfach anders tickten, wurde uns wieder sehr deutlich bewusst, als wir dann endlich um zehn Uhr in Richtung Werft gerufen wurden. Erst um elf Uhr hingen wir dann im Kran, der von der Größe her ganz wunderbar zur CESARINA passte. Nicht einmal das Vorstag mussten wir abschlagen. Sie passte einfach auch so wunderbar in den Travellift hinein. Nach einer ordentlichen Hochdruckreinigung wurde sie an den Platz gefahren, an dem sie die nächsten zwei Wochen verbringen sollte. Dort wurde sie auf den Kiel abgesenkt und sollte mit Stützen rechts und links abgestützt werden 🙂 Aber das war gar nicht so einfach, denn die gängigen Stützen waren alle deutlich zu kurz. In Varadero werden viele Katamarane und kleinere Boote überholt. Unsere CESARINA fiel wegen dem großen Tiefgang eindeutig aus dem Rahmen. Während auf der Werft fieberhaft nach den passenden Stützen gesucht wurde, machten wir uns auf dem Weg zum wohlverdienten Frühstück. Eigentlich war es mittlerweile schon Zeit zum Mittagessen 🙂

Frisch gestärkt setzten wir uns mit dem Werftchef zusammen und besprachen die Arbeiten, die in unserer Abwesenheit erledigt werden sollten. Er legte uns nahe, vor dem neuen Anstrich die alte Farbe komplett zu entfernen, da sie an verschiedenen Stellen schon schlecht haftete und auch abgeplatzt war. Da die Lohnkosten hier in Kuba sehr gering sind, stimmten wir zu. Die Werft machte einen soliden Eindruck und wir hatten die Hoffnung, dass die Zeit während unserer Abwesenheit sinnvoll genutzt werden würde.

So gingen wir zurück an Bord, um unsere Sachen für die Reise zu holen. Mittlerweile stand unsere CESARINA sicher auf stabilen Stützen. Jetzt fehlte nur noch eine Leiter, um hinauf aufs Deck zu klettern. Doch auf dem gesamten Werftgelände fand sich keine Leiter, die für unser Schiff lang genug war 🙁 Mit dem Stapler wurden wir auf einer Palette hinauf an Deck gehoben. Leitern finde ich schon ziemlich grausam, aber das setzte dem Ganzen wirklich die Krone auf. Schnell packten wir zusammen, was wir in den nächsten zwei Wochen brauchen würden und dann ging es wieder hinunter auf den sicheren Erdboden zurück.

Für meine Mutter, die heute Abend ankommen würde, hatte ich ein Zimmer im Appartementhotel reserviert, da ich Ihr die Unannehmlichkeiten, die das Leben auf einem Schiff an Land mit sich bringt, zum Urlaubsanfang gern ersparen wollte. Jetzt war ich sehr froh, dass ich dieses Zimmer hatte. An der Rezeption versuchte ich, aus einem Zwei-Personen-Appartement ein Drei-Personen-Appartement zu machen. Aber ich war chancenlos. Man legte mir nahe, doch einfach ein weiteres Studio zu buchen. Natürlich nicht zum günstigen Internetpreis, den ich für das erste bezahlt hatte, sondern zum fast dreimal so hohen Vor-Ort-Tarif. Kundenservice bzw. Flexibilität gehört hier nicht gerade zu den großen Stärken der Hotelanlage. Verärgert entschieden wir uns für die illegale Lösung: Unser Studio hatte einen sehr schönen und geschützt gelegenen Balkon mit zwei wunderbaren Liegen und einen Hintereingang ganz in der Nähe unseres Zimmers. So sollte es wohl auch gehen :-). Dietmar verbrachte die Nacht auf dem Balkon eingehüllt in einer Wolke aus „Anti Brumm“ :-).

So war es dann zumindest für mich an der Zeit, das geschützte Resort erstmalig zu verlassen 🙂 Mit dem Taxi ging es zum Flughafen. Die Varadero-Halbinsel ist mit vielen Hotelanlagen zugebaut, da ihre weißen Traumstrände sehr bekannt und beliebt sind. Trotzdem gibt es zwischendurch auch schon erste Eindrücke des „wirklichen“ Kubas zu entdecken. So traf ich auf meinem Weg die ersten Pferdfuhrwerke, sowohl am Straßenrand als auch auf der Straße. Die Straßen waren zum Teil mit abenteuerlichen Schlaglöchern und tiefen Gräben durchzogen. Rechts und links der Straße drängten sich unterschiedlichste „Behausungen“. Von der Wellblechhütte bis zum Plattenbau war alles dabei, was man sich so vorstellen kann, zum Teil sehr gepflegt und auf der anderen Seite wieder völlig heruntergekommen. An jeder Kreuzung standen Leute, die gern mitgenommen werden wollten. Zum Teil winkten sie mit Geldscheinen. Busse sahen wir eine ganze Menge: die schönen, gepflegten Exemplare für die Touristen und die kaputten und alten für die Einheimischen. Und da die Anzahl der vorhandenen Busse wohl nicht ausreichend ist für den Transport der vielen Menschen, die irgendwo hin wollen, gab es weitere Verkehrsmittel in den unterschiedlichsten Formen. Da war vom umgebauten LKW bis hin zum offenen Leiterwagen alles dabei. Bei vielen wäre man auf den ersten Blick nicht auf die Idee gekommen, dass damit Menschen transportiert werden könnten.

Der Weg zum Flughafen dauerte fast eine ganze Stunde und dank der ganzen Verzögerungen, die der Tag so mit sich gebracht hatte, kam ich gerade noch pünktlich an. Zurück in der Marina bezogen wir unser Zimmer und dann gab erst einmal Bescherung. Eine ganze Menge nützlicher und lange erwarteter Dinge zauberte meine Mutter aus ihrem Gepäck :-). Anschließend gingen wir zum Essen zusammen ins Hafenrestaurant. Morgen würde es dann ernst werden. Wir waren schon gespannt, was wir in den nächsten zwölf Tagen alles erleben würden.

 

 

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