Was Männer alles tun, um nicht abwaschen zu müssen

Wie geplant warfen wir erst am Mittag die Leinen los und kämpften uns den Weg aus der Marina heraus gegen Wind und Welle frei. Den Vormittag hatten wir noch genutzt, um unsere Vorräte zu verstauen, Bilder auf der Website hochzuladen und auch unsere Dieseltanks mit sehr günstigem Diesel aufzufüllen.

Der kurze Schlag bis zur nächsten Ankerbucht auf dem Weg nach Ponce war schnell gesegelt und wir suchten uns in der Bucht von Puerto Patillas einen Platz für die Nacht. Die Ankerbucht war in unserem Revierführer sehr positiv beschrieben worden, aber irgendwie fanden wir genau den einen Platz in der Bucht, an dem unsere CESARINA im Gegensatz zu allen andern Booten unruhig am Anker hin und her tanzte. So war die Nacht auch nicht besonders erholsam und am nächsten Morgen fühlte ich mich schon nach dem Frühstück fast seekrank. Die VIA hatte einen besseren Platz erwischt und machte sich schon auf den Weg, als wir noch beim Frühstück saßen. Da hatten sie uns doch kalt erwischt, denn normalerweise waren wir immer zuerst auf dem Weg. Lachend fuhren sie an uns vorbei. Die Überraschung war den sonst so bekennenden Langschläfern wirklich gelungen.

Das wurmte Dietmar doch ein bisschen und jetzt musste es dann aber zügig hinterher gehen. Schnell war das Frühstücksgeschirr gespült und weggeräumt. Dann hieß es Anker auf. So waren wir kurze Zeit später auch unterwegs. Die ersten Meter machten wir noch mit reduzierter Fahrt, da Dietmar den Anker noch nicht ganz hochgeholt hatte, um noch im Strudel des Fahrwassers den Schlick am Anker abzuwaschen. Danach holte er in ganz an Bord. Aber heute bekam ich kein Zeichen von ihm, dass alles ok war und ich mit mehr Fahrt auf Kurs gehen konnte. Irgendwas war faul da vorne.

Schon von weitem sah ich das Blut, das an seinem Arm herunter lief. Na prima, immerhin war es nicht so viel, aber doch zu viel für meinen Magen. Dietmar war mit der Außenseite der linken Hand zwischen Anker und Winsch gekommen, als der Anker beim Hochziehen einen unvorhersehbaren Satz gemacht hatte. Dabei wurde die Hand auf eine Breite von 4 Zentimeter glatt und beidseitig durchschlagen. Knochen und Sehen waren aber wohl nicht betroffen und bewegen konnte er auch alles. Immerhin schon mal was. Die Wunde sah aber aus, als wäre der Teil der Hand durch den Fleischwolf gedreht worden :-(. Ich brachte die Cesarina mittels Autopilot erstmal auf Kurs und holte dann Desinfektionsmittel und Verbandszeug. So desinfizierten wir kräftig und großflächig und verpackten die Hand dann möglichst steril. Große Schmerzen hatte Dietmar nicht. Er wollte auf jeden Fall an der VIA dranbleiben und nahm die Nummer mit der Hand nicht besonders ernst. So machten wir uns auf den Weg nach Ponce. Hier in der Ankerbucht hätte uns sowieso niemand helfen können und Ponce ist die zweitgrößte Stadt auf Puerto Rico.

Da die Hand aber im Moment eindeutig nicht zu gebrauchen war, segelten wir nur unter Genua weiter. Da ausreichend Wind wehte, war das kein Problem und am Nachmittag erreichten wir Ponce. Die Ankerbucht direkt vor dem Yachthafen gefiel Dietmar nicht besonders, aber nach einigem Hin-und-Her fanden wir doch noch einen Platz in der Nähe der VIA. Schon im Vorfeld hatten wir die VIA über den Unfall heute Morgen informiert und jetzt kamen Sie uns direkt zur Hilfe und brachten uns mit ihrem Dinghi an Land. Auch wenn Dietmar immer noch der Meinung war, dass ein Arzt nicht benötigt wird, hatte ich mich durchsetzen können. Daher machten wir uns auf den Weg zum Krankenhaus. Der nette Pförtner der Marina rief uns schnell ein Taxi herbei und gegen fünf Uhr hatten wir das Krankenhaus erreicht. Da es mit unseren Spanischkenntnissen nicht so weit her ist, mussten wir jetzt nur noch jemanden finden, der uns durch das Organisationsgewirr helfen konnte. Schnell fand sich ein junger Mann, der uns den ganzen weiteren Abend immer wieder zur Seite stand und uns auch bei der Anmeldeprozedur half. Ganz wie in Deutschland war eine Menge Papierkrieg zu erledigen und leider verging zwischen den einzelnen Stationen eine ganze Menge Zeit. Das war besonders unerfreulich, da alle Räume des Krankenhauses auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlt waren. Die Angestellten trugen alle Jacken und lange Hosen, aber wir waren wie immer sommerlich bekleidet und froren wie die Schneider. Irgendwann war es aber nicht mehr auszuhalten und abwechselnd stand einer von uns vor der Tür, um sich draußen etwas aufzuwärmen 🙂 Schon eine verrückte Welt. Gegen halb acht war Dietmars Geduld dann aber völlig am Ende und er teilte unserem englischsprechenden Begleiter mit, dass wir jetzt nach Hause gehen würden. Das brachte dann ganz schnell wieder Bewegung in die Sache und Dietmar wurde ins nächste Behandlungszimmer verfrachtet. Achtzehn Stiche und zwei Spritzen später war mein Kapitän dann weitgehend wiederhergestellt. Jetzt konnte es endlich zurück zur CESARINA gehen. An der Pier warteten schon Jörg, Vincent und Kathrin auf uns und luden uns zum Abendessen auf die VIA ein. Was für ein Glück, denn zum Kochen hätte ich heute ganz sicher keine Lust mehr gehabt 🙂

Ein Gedanke zu „Was Männer alles tun, um nicht abwaschen zu müssen

  1. So ein pech! Wuensche gute besserung und einen guten heilverlauf!
    Ich freue mich, via internet ihre reise miterleben zu duerfen.
    Mit freundlichen grueesen aus kiel
    Heidi wulf

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